Allgemein, Asien, Georgien
Kommentare 6

Mein Georgien Highlight: Der Oasis Club in Udabno

Oasis Club in Udabno Georgien

Udabno, georgisch für Wüste. Ein winziges Dorf inmitten der georgischen Savanne, 14 Kilometer vom beliebten Ausflugsziel, dem Höhlenkloster Dawit Garedscha, entfernt.
In dieser Wüste baute Ksawery aus Polen vor etwa fünf Jahren ein Hostel mit Restaurant und Bar, den Oasis Club. Und genau das ist es. Eine kleine Oase, liebevoll hergerichtet mit recycelten Materialien aus einer einstigen Bauruine. Gäste fühlen ihn schnell, den besonderen Spirit, der hier herrscht und so vor Zufriedenheit sprüht, das er keinem verborgen bleiben mag.

Der Oasis Club wurde zu meinem persönlichen Happy Place während meiner Georgien-Reise. So gut gefiel es mir hier, dass ich binnen der vier Wochen im Kaukasus insgesamt drei Mal herkam. Die längste Zeit buchte ich mir eines der kleinen Cottages für drei Nächte am Stück. Nach eineinhalb Wochen in Tiflis sehnte ich mich nach Natur und genehmigte mir hier eine kleine Auszeit von der hektischen Stadt.

Die Kamera nahm ich nur selten in die Hand. Ich genoss es, einfach in den Tag hineinzuleben. Den Morgen begann und endete ich mit Yoga, dann pendelte ich zwischen der Veranda des Restaurants und dem Liegestuhl vor meinem Cottage hin und her.

Wenn ich Glück hatte, war am Nachmittag noch ein Stück Käse- oder Karottenkuchen übrig. Dazu ein Glas dieses unglaublich leckeren Erdbeerkompotts, der hier wie Limo getrunken wird.

Ein paar Meter vom Restaurant und den Holzhütten entfernt, auf der anderen Seite des Zauns ist das Hostel. Gleich wenn man zur Tür reinkommt, findet man an der Wand, ordentlich gerahmt, die Köchinnen des Restaurants in wundervollen Porträtaufnahmen. Sie werden hier hoch geachtet. Kein Wunder, denn das was sie hier servieren, ist mitunter das Beste was ich in ganz Georgien gegessen habe. Eine logistische Meisterleistung, denn hier im Niemandsland, wo man nicht mal eben zum Supermarkt um die Ecke gehen kann, muss man beim Kochen auch mal kreativ sein.

Zufrieden und gesättigt, saß ich nach meiner Nachmittagsschlemmerei mit meinem Roman der georgischen Autorin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili auf meinem Liegestuhl in der Sonne und bekam Besuch von Arthur. “Hier ist es wie im Zoo”, stellte der 5-Jährige fest. Er reiste seit zwei oder drei Monaten, das wusste er nicht mehr so genau, mit seiner Familie in einem roten VW-Bus umher.
Ich verstand, was der kleine Frankfurter meinte. Ein paar Mal stand ich morgens amüsiert am Fenster des Cottages und blickte einer Kuh ins Gesicht, der das Gras jenseits der Weide besser zu schmecken schien. Außerdem spazierten gerne Pferde, Schafe, Schweine, Katzen und Hunde durch das meist offene Holztor auf die Wiese vor dem Restaurant. Wer meine Instagram-Story während meiner Reise verfolgt hat, dem ist meine liebste, tierische Begegnung in Udabno sicher nicht entgangen: Die braun-weiß gefleckte Hündin Shu Shu.

Zur Mittagszeit hielten die Marschrutkas, die Minibusse sind Hauptverkehrsmittel in Georgien, vor dem Oasis Club. Tagesausflügler aus Tiflis, die das Höhlenkloster besucht hatten, stiegen aus, um sich im Restaurant zu stärken. Abends, pünktlich zum Sonnenuntergang, wenn die Ausflügler wieder zurück in die Stadt aufgebrochen waren, hatten wir das kleine Paradies wieder für uns. Dann saßen wir, Reisende, Volunteers, Dorfbewohner jeden Alters und jeder Nationalität, zusammen auf der Veranda, tranken, erzählten, lachten oder schauten einfach hinaus, gen Horizont.

Die Stadt Tiflis hat mich voll in ihren Bann gezogen, mit ihrer bezaubernden Altstadt und der bunten Hinterhofkultur. Auch die atemberaubende Berglandschaft um die Gergetier Dreifaltigkeitskirche war definitiv ein Höhepunkt in Georgien.
Oft sind es aber auch ganz spezielle Orte, die ich mit meinen Reisen verbinde. Wie schon der Tortuguero Nationalpark in Costa Rica oder das toskanische Fischerstädtchen Castglione della Pescaia. Einiges verblasst mit den Jahren, aber diese besonderen Fleckchen schaffen es, auch viele Jahre später ein großes Sehnsuchtsgefühl in mir auszulösen.

Udabno, eines Tages komme ich wieder. Um mich zu vergewissern, dass es Shu Shu gut geht, zum Erdbeerkompott trinken – und, um noch einmal diesen unglaublichen Sternenhimmel über der Savanne zu sehen.

Du hast noch nicht genug von Georgien?

Die geballte Ladung an Tipps und Inspiration über Georgien findet ihr in diesem Beitrag und hier erzähle ich, warum ich schon kurz nach meiner Ankunft in Tiflis am liebsten auf dem Absatz meiner Wanderschuhe kehrt gemacht und zurück ins Flugzeug gestiegen wäre, wie ich in den ersten Tagen die deutsch-russische Freundschaft feierte und verrate wer oder was Chatschapuri ist.

 

Dir gefällt was du liest?
Dann begleite mich auf meiner nächsten Reise
via Facebook und Instagram.
Oder speichere diesen Beitrag auf Pinterest:

 

6 Kommentare

  1. Schöner Bericht und das mit diesen Sehnsuchtsgefühlen nach Orten wo man schon einmal war kenne ich zu gut.Hab noch einen schönen Sonntag,Gruß Andy

  2. Hallo Sarah,

    au jaaa, ich habe mich in den Oasis Club während meiner Georgienreise auch unheimlich verliebt!
    Ich bin glatt etwas neidisch, dass bei deinem Aufenthalt alles so schön grün aussieht und du anscheinend auch Glück mit dem Wetter hattest – als ich letztes Jahr dort war hat es ununterbrochen geregnet :D.

    Die Fotos sind übrigens sehr schön, ich mag deinen Fotografiestil unheimlich gern!

    • Sarah

      Liebe Marie,

      wenn ich mich recht erinnere, bin ich durch eure Tipps in der Sammlung der Georgien-Tipps https://itchyfeet-travel.de/reiseblogger-verraten-ihre-tipps-fuer-georgien/ auf den Oasis Club aufmerksam geworden. Gleich drei Blogger haben das Hostel empfohlen. Absolut zurecht. Es war wirklich der Hammer! Ganz lieben Dank nochmal für den grandiosen Tipp!!!
      Und es freut mich sehr, dass dir meine Fotos gut gefallen. Deine sind zwar weniger grün, dafür sehen sie mehr nach Wüste aus – hat auch was, finde ich. 🙂

      Lieben Gruß aus Mainz,
      Sarah

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.