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Geld verdienen als Reiseblogger: Ein Job Porträt

“Reiseblogger? Und davon kann man Leben?” Das ist eine der häufigsten Reaktionen, wenn ich neuen Bekanntschaften erzähle, was ich beruflich mache. Was bei den meisten für Unverständnis sorgt und viele Fragen hervorruft, ist für mich mittlerweile der normalste Job der Welt. Vor fünf Jahren habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und diesen Weg keine einzige Sekunde bereut.

Aber was macht ein Reiseblogger eigentlich den ganzen Tag und was braucht es, um als Blogger erfolgreich zu sein? Welche Aufgaben zum Job eines Reisebloggers gehören und wie mein Arbeitsalltag aussieht, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Mein Weg zur Reisebloggerin

Bevor ich euch über meinen Job als Reiseblogger erzähle, möchte ich ein paar Infos zu meinem Werdegang mit euch teilen. Nach meinem Ethnologie und Philosophie Studium verbrachte ich drei Monate in einer meiner absoluten Lieblingsstädte, Rom. Dort fiel der Startschuss meines Reiseblogs. Zurück in Deutschland sammelte ich in einigen Redaktionen, u.a. in einer Social-Media-Redaktion, Erfahrungen, bevor ich mich 2017 selbstständig machte.

Seitdem bin ich meine eigene Chefin, genieße die freie Arbeitszeiteinteilung und dass ich mittlerweile in der glücklichen Position bin genau entscheiden zu können, mit wem ich zusammenarbeiten möchte, welche Auftrage ich annehme und welche ich ablehne.

Auch wenn ich als digitale Nomadin ortsunabhängig arbeiten kann, spielt sich mein Arbeitsalltag zum größten Teil zu Hause, in Mainz, ab. Denn erstens genieße ich neben den vielen Reisen die Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie. Zweitens arbeite ich in meinem gewohnten Umfeld und an meinem Schreibtisch samt großem Monitor wesentlich effektiver als am Laptop mit wackeliger Internetverbindung.

Der Alltag einer Reisebloggerin

Mein Job als Reisebloggerin lässt sich in zwei Bereiche einteilen. Zum einen in die Zeit, in der ich unterwegs bin, Regionen und Städte erkunde oder Hotels besuche. Im Anschluss folgt die Arbeit am Schreibtisch, die die meiste Zeit meines Alltags ausmacht.

Von Recherchereisen bis Social Media

Fangen wir an mit meinem Lieblingspart als Reisebloggerin: Den Recherchereisen. Auch wenn es auf Instagram so erscheinen mag, haben Recherchereisen nicht wirklich viel mit Urlaub machen zu tun. Denn was Follower*innen in den Stories mitbekommen, ist nur ein winzig kleiner Teil des Tagesablaufs. Die Reisen sind meist von morgens bis abends durchgetaktet und es bleibt keine bis kaum Zeit zum einfach mal Treiben lassen oder entspannt am Pool liegen.

Ein Programmpunkt folgt dem nächsten, zwischendurch wird Content produziert, wichtige Infos notiert, Bilder bearbeitet und parallel Social Media gepflegt. Teils übernimmt man bei Takeovern neben den eigenen noch die Kanäle des Kooperationspartners.

Obwohl Recherchereisen oft stressig sind, mag ich sie super gerne. Denn zum einen hat man jedes Mal interessante Begegnungen und kann sich bei Gruppen-Bloggerreisen mit Kolleg*innen austauschen. Zum anderen durfte ich dadurch einige Orte kennenlernen, die ich für private Trips noch nicht auf meinem Reiseradar hatte, wie der wunderschöne Süden Schwedens oder die abwechslungsreiche Schwarzmeerküste Bulgariens.

Wenn ich zu solch einer Recherchereise eingeladen werde, bin ich übrigens immer vollkommen frei in welcher Form und was ich über die Destination schreibe, worauf ich auch großen Wert lege.

Von Kampagnen entwickeln bis SEO-Updates

Zurück zu Hause geht es ans Verarbeiten des produzierten Contents. Dazu zählen das Schreiben und Veröffentlichen von Blog Beiträgen (inkl. Keyword Recherche, Fotobearbeitung und Pinterest Marketing) und die Planung und Erstellung von Social Media Posts. Recht frisch taste ich mich gerade an ein neues Medium heran: YouTube-Videos.

Parallel werden neue Reisen geplant, Angebote geschrieben, Kampagnen mit Kunden und Agenturen konzipiert und umgesetzt. Hierbei möchte ich noch kurz erwähnen, dass nur etwa fünf Prozent der Kooperationsanfragen, die in meinem Mailpostfach landen, auch zustande kommen. Zu Absagen kommt es, weil ich entweder für den Reisezeitraum ausgebucht bin, die Honorarvorstellungen auseinander gehen oder die Werte des Partners nicht mit denen meines Blogs übereinstimmen.
Nach Umsetzung der Kampagne schreibe ich für meine Kooperationspartner Reportings mit Insights und Ergebnissen.

Daneben erstelle ich Redaktionspläne, sowohl für meinen Itchy Feet Blog, als auch für den 2019 von mir gegründeten Rhein Main Blog, aktualisiere alte Blog Beiträge, mache SEO-Updates und interagiere mit Follower*innen.

Ein weiterer wichtiger Punkt meiner Arbeit als Reisebloggerin ist das Ausbauen meines Netzwerks. Ich tausche mich mit Kollegen und Kolleginnen aus (eine Übersicht der bekanntesten deutschsprachigen Reiseblogs findest du hier), besuche Tourismusmessen und knüpfe Kontakte bei digitalen Medientourneen.

Auch dieser Part meines Jobs, abseits des Reisens, macht mir unglaublich viel Freude – vom Konzepte entwickeln, über das Formulieren von Texten bis zum Designen von Pinterest Pins.

Der einzige Teil meines Jobs, auf den ich nur zu gern verzichten würde, ist das Thema Buchhaltung und Steuern. Allerdings muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich hierbei das unschätzbare Privileg genieße gleich drei Steuerberater*innen in meiner Familie zu haben, die mich enorm unterstützen.

Mein Arbeitsplatz ist meist in Mainz. Hin und wieder sieht er aber auch so aus.

Reiseblogger werden: Das solltest du mitbringen, um erfolgreich zu sein

Neben einer Leidenschaft für’s Schreiben und Fotografieren solltest du folgende Skills mitbringen.

  • Disziplin: Als Reisebloggerin arbeitest du in der Regel als Freelancer und wie mir wohl jeder bestätigen kann, der als Selbständige*r unterwegs ist: Disziplin ist das Nonplusultra und du allein musst dich zum Arbeiten motivieren und mit deiner Zeit und Energie sorgsam umgehen. Natürlich erlebe ich bei meinem Job, wie jeder andere auch, gute und schlechte Tage. Mal geht mir die Arbeit besser von der Hand und mal sitze ich gefühlte Ewigkeiten an dem Einstieg eines Textes oder einem Instagram Teaser.
  • Zeitmanagement & Organisation: Außerdem benötigt man ein gewisses Organisationstalent. Denn nicht selten arbeitet man an fünf bis zehn kleineren und größeren Projekten gleichzeitig. Während ich zum Beispiel die nächsten Recherchereisen plane, verhandle ich Kampagnen und schreibe Blog-Beiträge. Daneben bespiele ich Instagram und Pinterest und werde auch mal von Kunden für Social Media Analysen und Beratungen konsultiert. Struktur im Arbeitsalltag und die anstehenden Deadlines im Blick zu haben, ist also elementar.
  • Geduld & Kontinuität: Gerade als Anfänger*in solltest du dir bewusst sein, dass sich die Arbeit an einem Blog erst Jahre später auszahlt und man nicht mal eben schnell passives Einkommen generiert. Der beste Antrieb beim Starten eines Blogs ist meiner Meinung nach die Leidenschaft für’s Reisen und die Freude am Bloggen.
  • Kreativität: Sowohl für die Fotografie und das Schreiben von Texten, als auch für das Entwickeln von Kampagnen braucht es schöpferische Fähigkeiten und die Lust am Gestalten und Erschaffen.
Kleine Erkundungspause am Nachmittag während einer Workation in Portugal.

Reiseblogger FAQ

Auf Instagram habt ihr mir einige Fragen über meinen Job als Reisebloggerin gestellt, die ich hier beantworte.

Wie kann man mit einem Reiseblog Geld verdienen?

Mit diesen 5 Wegen verdiene ich Geld mit meinem Reiseblog:

  • Sponsored Posts
  • Bezahlte Recherchereisen
  • Social Media Kampagnen
  • Affiliate Programme
  • VG Wort & VG Bild-Kunst

Daneben dient mir mein Reiseblog als eine Art Visitenkarte für weitere Aufträge. Dadurch kam ich zum Beispiel zu meinem zweiten Standbein, als Autorin von Reiseführern*. Außerdem schreibe ich für andere Medien, wie zum Beispiel für das Online-Magazin Travellers Insight des Flughafen München.

Fällt es dir manchmal schwer das Reisen richtig zu genießen, wenn es auch mit Arbeit verbunden ist?

Nach wie vor genieße ich jede meiner Reisen, ob privat oder im Auftrag eines Hotels oder Tourism Boards. So kitschig es klingen mag, aber ich bin nach wie vor unglaublich dankbar, dass ich auf diese Art mein Geld verdienen darf und, dass mich mein Job an so viele tolle Orte auf unserem Planeten führt.

Bei privaten Reisen muss ich mich allerdings auch mal bremsen, weil mich hin und wieder das Gefühl überkommt doch noch ein bisschen mehr aus dem Trip für meinen Blog “rauszuholen”. Aber grundsätzlich macht mir das Planen von Reisen einfach super viel Spaß und ich verbringe auch die Zeit vor Urlauben gerne damit zu recherchieren, was es alles für tolle Ecken in der Nähe zu entdecken gibt, in welchen Cafés man am besten frühstücken kann oder welche Insider Tipps Locals parat haben.

Einsprachiger oder zweisprachiger Blog?

Tatsächlich habe ich meinen Blog zweisprachig gestartet – auf Deutsch und Englisch. Doch was im ersten Moment nach relativ einfach zu erhöhende Reichweite klingt, kristallisiert sich schnell als deutlicher Mehraufwand heraus. Denn vieles muss man für jede Sprache gesondert durchführen, wie zum Beispiel die Keyword-Recherche. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema zweisprachige Blogs findet ihr hier.

Wie bringst du Struktur in deinen Arbeitstag?

Mein Schlüssel zum effektiven Arbeiten sind Routinen, besonders am Morgen und am Abend. Außerdem versuche ich Ablenkungen zu vermeiden und belohne mich mit Pausen (Spaziergang, Lesen, Yoga oder Kaffee-Dates mit Freunden). Auch ein Tapetenwechsel hilft mir oft motiviert ans Werk zu gehen. Ob Workation mit anderen Bloggern oder das Verlegen des Arbeitsplatzes ins Café um die Ecke oder im Sommer auf den Balkon. Wenn ihr Interesse an Tipps zum Konzentrieren Arbeiten im Home Office habt, bietet dieser Beitrag gute Impulse.

Würdest du 2022 noch einen Reiseblog starten? Oder ist der Markt übersättigt?

Es mag tatsächlich heute deutlich schwieriger sein Blog und Social Media Kanäle aufzubauen, als vor einigen Jahren. Ich denke aber, dass sich – wie in jedem anderen Job – auch beim Reisebloggen Qualität und gute Arbeit durchsetzen – und die Branche genug Kuchenstücke für alle bietet. Wichtig ist, sich von der Konkurrenz abzuheben, seinen eigenen Stil und seine Blog-Nische zu finden.

Ihr habt noch Fragen zum Thema Reiseblogger? Dann ab in die Kommentare damit.

Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen solchen Link buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Damit unterstützt du mich und meine Arbeit an dem Blog. Ganz wichtig: Für dich bleibt der Preis der gleiche. Du bezahlst keinen Cent mehr.

Mainzerin Sarah packt regelmäßig das Fernweh und kurz darauf ihren Koffer, um neue, faszinierende Orte zu bereisen oder an alte, lieb gewonnene zurückzukehren. Und obwohl sie gelegentlich von einem Neuanfang an einem anderen Ort träumt, einem kleinen Haus in der Toskana mit Klappläden an den Fenstern und Zitronenbaum im Vorgarten oder von einer Stadtwohnung in Lissabon mit Blick auf den Tejo, ist Mainz eben doch ihre Stadt des Herzens.

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2 COMMENTS

  • Shadownlight

    Danke für den Einblick in die Bloggerarbeit in der Reisebranche.
    Liebe Grüße!

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