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Mit dem Hausboot über die Mecklenburgische Seenplatte

Mit dem Hausboot über die Mecklenburgische Seenplatte

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Mit dem Hausboot durch schmale Kanäle schippern, unter Hubbrücken durch und leicht schwankend, raue Seen überqueren. Das nächste Ziel irgendwo in der Ferne. Oder da, wo es gerade gefällt den Anker werfen und den Abend gemütlich auf dem Sonnendeck ausklingen lassen.
So eine Fahrt mit dem Hausboot steht schon eine ganze Weile auf meiner Bucket List. Ihr könnt euch also sicher vorstellen, dass ich bis knapp unter die Decke gehüpft bin, als Locaboat mich für vier Tage auf die Mecklenburgischen Seenplatte einlud.

Locaboat ist seit mehr als 40 Jahren Anbieter von Urlauben mit dem Hausboot. Das Unternehmen legt besonderen Wert auf Komfort, Service und die lokale Verbindung vor Ort. Mit einer Floote von 380 Booten in sechs Ländern, zählt Locaboat zu den Spezialisten für Hausbooturlaube. Besonders beliebt ist die Tour auf dem Canal du Midi in Südfrankreich.

Ich bin dieses Mal mit Locaboat auf der idyllischen Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs. Die unverfälschte Natur mit dichten Wälder, üppigen Graslandschaften und tausend glasklaren Seen, machen eine Reise an die Müritz zum Erlebnis.
“Das kleine Meer”, wie die Müritz liebevoll genannt wird, ist der größte deutsche Binnensee und kann bei starkem Wind für so manchen Wassersportler zur Herausforderung werden. Sie ist verbunden mit dem Kölpinsee, dem Fleesensee – hier beginnt unsere Fahrt mit dem Hausboot – und dem Plauer See, die zusammen die Großseenplatte bilden.

Anreise an die Mecklenburgische Seenplatte

Mit dem Zug gibt es deutschlandweite Verbindungen nach Neustrelitz, Waren oder Malchow. Locaboat bietet zudem einen bequemen Flughafen oder Bahnhof Shuttle ab Berlin. In zwei Stunden geht es auch für mich von Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Weg nach Untergöhren, vorbei an Orten mit wundervollen Namen wie Herzsprung.

Mit mir im Taxi sitzen Ina und Stefanie, die gemeinsam mit Yvonne auf einem anderen Hausboot die gleiche Route fahren werden, wie ich mit meiner Crew. Alle drei sind wir Hausbootneulinge. Während der Fahrt phantasieren wir ein wenig, wie er so sein wird, der Urlaub auf dem Wasser und hecken neue Geschäftsideen aus, wie Supermarktboote, Eiskremboote und natürlich Dönerboote – in Frankfurt gibt es letzteres tatsächlich – von denen man unterwegs ganz simpel allerlei Leckereien, ohne Landgang, kaufen kann.
Unser Taxifahrer war bereits mit dem Hausboot unterwegs und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Nicht nur Deutsche machen hier gerne Urlaub, erzählt er uns. Auch vielen Schweizern, Österreichern und Italienern ist die Strecke in den Norden Deutschlands nicht zu weit.

Leinen los

Unsere Fahrt beginnt in Untergöhren auf dem Fleesensee. Mit Jule und Volker – meiner Crew für die nächsten Tage – beziehen wir zunächst unsere Kabinen, bevor wir eine Einweisung von Locaboat bekommen. Jule ist schon etwas früher angereist, um ihren Charterschein zu machen. Mit dieser Bescheinigung dürfen wir in bestimmten Revieren und im Zeitrum der Charter mit dem Hausboot fahren. Im Gegensatz zum Bootsführerschein gibt es beim Charterschein ein paar weitere Regeln zu beachten. Die Höchstgeschwindigkeit 12 km/h darf nicht überschritten werden, es sind maximal 12 Personen an Bord erlaubt und das Boot darf höchstens 15 Meter lang sein.
Unsere Pénichette Flying Bridge, mit dem Namen Spandau, ist stolze 14 Meter lang und beim ersten Inspizieren bin ich positiv überrascht, wie geräumig unser zu Hause auf dem Wasser ist. Vier Doppelkabinen mit Nasszellen, eine einladende Sitzecke und auch in der Küche fehlt es an nichts.

Heute herrscht eine recht steife Brise. Daher bekommen wir von Locaboat einen Skipper, der uns in brenzligen Situationen unterstützend zur Seite steht und außerdem unsere Spandau aus der Parklücke manövriert.
Im Kanal darf ich dann auch mal ans Steuer. Erst ist mir ein wenig mulmig zumute. Schließlich fahre ich zum ersten Mal ein Boot dieser Größe. Doch nach wenigen Minuten sind alle Hemmungen abgelegt und ich genieße es, mir an Deck die frische Seeluft um die Nase wehen zu lassen.
Diejenigen, die gerade nicht am Steuer stehen oder sitzen, können ausgiebig den Blick schweifen lassen. Denn während der Fahrt gibt es allerhand zu sehen. Hübsche, am Wasser gelegene Häuschen und kaum los gefahren, haben wir das Glück einen Seeadler bei der Jagd zu beobachten.

Erster Halt: Waren

Die sich dem Horizont neigende Sonne auf stiller See vom Boot aus beobachten und mit gemütlichen 10 Knoten dahin schippern, das wirkt wunderbar entschleunigend. Unseren ersten Stopp legen wir in Waren, der Hauptstadt der Müritz ein. Der malerische Hafen ist umgeben von der Altstadt, deren Gasen sich ringförmig bis zum Neuen Markt ziehen. Hier gibt es ausgezeichnete Restaurants – besonders gut speisen kann man im Restaurant & Café Leddermann mit Blick auf den Hafen – Cafés und kleine Geschäfte. Im Restaurant Leddermann lassen auch wir uns zum Abendessen nieder und ich genieße leckere Fusilloni mit grünem Spargel, getrockneten Tomaten und Parmesan. Zum krönenden Abschluss wird mir ein kleines Kunstwerk kredenzt, das sich ganz bescheiden als Mousse au Chocolat ausgibt.

Unsere gut gefüllten Mägen schreien nach einem anschließenden Verdauungsspaziergang. Also flanieren wir die Promenade entlang, bevor es zum Schlafen in unsere Kojen geht.

Eine kleine Sorge beschäftigt mich vor der Reise. Wie ist so eine Nacht auf dem Boot? Schaukelt es auch, wenn es angetaut im Hafen liegt? Wenn ja, macht mein Magen das mit?
Sobald ich in der Horizontalen angekommen bin, merkte ich, dass meine Bedenken absolut unbegründet waren. Kein Schwanken, nicht mal ein sanftes Schaukeln.

Am nächsten Morgen ziehe ich die Vorhänge in meiner Kabine zurück und schaue, ob vielleicht gerade eine Entenfamilie auf Augenhöhe vorbei schwimmt. Leider nein. Aber der Blick auf Wasser und Hafen ist dennoch herrlich.
Nach einem Frühstück auf dem Boot und einem Streifzug durch Waren heißt es wieder Leinen los. Heute steuern wir Plau am See an.

Mein Highlight: Plau am See

Plau am Westufer des Plauer Sees gelegen, war mein persönlicher Höhepunkt während unserer Hausboottour. Plau ist ein charmantes, altes Fischer- und Flößerstädtchen,  durch dessen Altstadt die Elde-Wasser-Straße führt. An den schönen Uferwegen gibt es viele Cafés und Bars mit Terrassen direkt am Wasser. In gemütlichen Liegestühlen lässt es sich hervorragend, nach erfolgreichem Parken des Bootes, an Cocktails schlürfen.
Statt an Longdrinks zu nippen, schnappen wir uns Fahrräder und legen ein paar der insgesamt mehr als 400 Kilometer gut ausgebauten Radwegen zurück. In der ganzen Region gibt es zahlreiche Leihstationen sowie Fahrradwerkstätten.

Action oder Ruhe – beim Hausbooturlaub kommt jeder auf seine Kosten

Auch am nächsten Tag sind wir mit einem Skipper an Bord. Denn das Messgerät zeigt Windstärke 6 und bereits ab Windstärke 4 darf man mit dem Charterschein nur fahren, wenn jemand mit Bootsführerschein auf dem Boot ist.

Auch unser Skipper war schon mit der Familie auf dem Hausboot unterwegs. “Da ist für jeden etwas dabei. Wer Action mag, hilft mit beim Antauen und Schleusen. Meine Tochter hat auch gerne ihre Ruhe. Dann schnappt sie sich ihr Buch und macht es sich in der Kabine gemütlich.” Auch ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Urlaub auf dem Hausboot eine Familie regelrecht zusammenwachsen lassen kann. Jeder tut was er kann und findet seine Aufgabe auf dem Boot. Und wenn der Kahn nach einem windigen Tag wieder ordentlich angetaut im Hafen liegt, ist jeder – egal ob Großvater oder Enkel – ein wenig stolz.

Während den vier Tagen auf dem Hausboot ist uns der Wettergott leider weniger gut gesonnen. Aber das abendliche Prasseln des Regens auf das Deck, während wir bei einem Glas Wein im Warmen sitzen und kniffeln hat ebenfalls seinen Charme. Etwas romantisches, das bei mir Kindheitserinnerungen an verregnete Campingsommertage weckt.
Und es braucht nur ganz wenig Phantasie, um sich auszudenken, wie strahlende Sommertage auf dem Hausboot aussehen würden. Morgendliches Picknick auf dem Sonnendeck während sich der Nebel über dem Wasser langsam verzieht, Flanieren entlang beschaulicher Kanäle, am Ufer Steine übers Wasser hüpfen lassen und die Abende mit einem Glas Wein am Steg mit ins Wasser baumelnden Füßen ausklingen lassen. Ja, so ein Urlaub auf dem Wasser, der tut der Seele gut.

Gute Gründe zum Wiederkommen

Den Bärenwald besuche ich auf jeden Fall bei meiner nächsten Reise an die Mecklenburgische Seenplatte. Hier finden Bären aus nicht artgerechter Haltung ein neues zu Hause. Angefangen als kleine Station am südlichen Plauer See, ist der Bärenwald heute das größte Bärenauffanglager Europas.
Außerdem wird mein nächster Besuch im Hochsommer sein. Denn fürs Baden im See war es Ende April leider eindeutig zu kalt.

 

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*Dieser Beitrag wurde unterstützt von Locaboat. Die geschilderten Erlebnisse und Erfahrungen bleiben davon unberührt.

6 Kommentare

  1. Oh, jetzt will ich aber auch auf ein Hausboot!
    “Etwas romantisches, das bei mir Kindheitserinnerungen an verregnete Campingsommertage weckt.” — Das Gefühl kenne ich so gut. Bei uns hat es im Sommerurlaub auch gefühlt immer auf den Wohnwagen geprasselt. <3

    • Sarah

      Ja, das war wirklich eine tolle Sache!
      Und egal wie das Wetter ist, man kann es sich immer schön machen. 🙂

      Liebste Grüße nach Berlin,
      Sarah

  2. Hi Sarah,
    schöner Beitrag und da wird in einem gleich die Abenteuerlust geweckt. Auch das Hausboot scheint die perfekte Unterkunft für einen Ausflug mit mehreren “Stützpunkten” zu sein und um die Mecklenburgische Seenplatte zu erkunden.
    Danke für den Tipp und schau ich mir mal genauer an 🙂
    VG Hugo

    • Sarah

      Hi Hugo,

      ja auf jeden Fall! War eine tolle Sache eine Reise aus der Wasser-Perspektive zu erleben.

      Viele Grüße,
      Sarah

  3. Oliver Jentsch sagt

    Es freut mich, dass es euch soviel Spaß gemacht hat.
    Grüße von eurem Skipper und dem Locaboat-team Untergöhren

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