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Winter-Kurztrip: Ein Streifzug durch Rom

Eiszapfen am Brunnen an der Piazza Venezia

Das Taxameter steht auf 15.70. Schneeregen prasselt auf die Motorhaube. Durch die beschlagene Scheibe erahne ich die Via dei Fori Imperiali, an deren Ende das Kolosseum thront. Es ist kurz vor zwölf und ich bin mit meinen Freunden Meike und Nelson auf dem Heimweg von einem Geburtstag in San Giovanni zurück nach Trastevere. Gleich passieren wir die Piazza Venezia, wo seit Anfang des 20. Jahrhunderts das Monumento a Vittorio Emanuele II seinen Platz hat. Kaum ein Tourist, den es nicht in andächtiges Staunen versetzt, wenn er den strahlend weißen Mamor erblickt. Bei vielen Römern ist der Prachtbau als “Schreibmaschine” oder “Hochzeitstorte” verschrien. Viel zu protzig und nicht mal antik.

Trotzdem verschlägt es mich immer wieder in die Nähe des Prunkbaus. Nicht wegen des Denkmals selbst, sondern wegen des dahinterliegenden Kapitolsplatzes. Kein geringerer als Michelangelo hat die Piazza del Campidoglio im päpstlichen Auftrag gestaltet. Im Jahr 2012, als ich drei Monate in Rom wohnte, wurde der Platz zu einem meiner Lieblingsorte. Am Wochenende beobachtete ich gerne die Hochzeitsgesellschaften um die Bräute, die in ihren schönen Kleidern aus dem Konservatorenpalast schwebten. An besonders heißen Tagen lockte es mich ebenfalls oft hinauf auf den Platz. Auf dem Hügel ging meist eine angenehme Brise und in dem dahinter liegenden Park sind kaum Touristen – stattdessen findet man einen sagenhaften Blick über die Stadt vor.

Nach fünf viel zu langen Jahren bin ich also endlich wieder in Rom. Meine achte Reise in die Metropole am Tiber und das erste Mal im Winter. Und was für einer. Ein Tag vor unserer Ankunft fegte ein Schneesturm durch die engen Gassen. Die Spuren sind weitestgehend geschmolzen oder an die Straßenseiten geräumt. Doch die Temperaturen kratzen an der 0 Grad-Marke. Eisige Kälte und Schneeregen im üblicherweise sonnenverwöhnten Rom und doch scheint das Leben hier etwas süßer als irgendwo sonst auf der Erde.

Erleben lässt sich das am Campo de’ Fiori. Nachdem ich am Morgen zum Gianicolo hinaufgestiegen bin, treffe ich Meike und Nelson zum Mittagessen und spiele im Anschluss Stadtführerin für die beiden. Ich bin selbst ein wenig verblüfft, wie gut ich mich noch immer ohne Stadtplan zurecht finde, obwohl mein letzter Rombesuch schon eine Weile zurück liegt und mein Orientierungssinn meist zu wünschen übrig lässt.

Über den einstigen Blumenmarkt, steure ich zielstrebig die Via dei Cappellari an, in der sich während meinem Sommer in Rom mein kleines Studio befand. Auf dem Weg durch die Gasse kommen wir an einem an einer gläsernen Fassade vorbei und spähen neugierig hinein. Schick und exklusiv sieht es darin, ganz anders als die sonst so italienische Gemütlichkeit und Einfachheit. Weil wir nach dem Mittagessen sowieso auf der Suche nach einem Kaffee sind und die Preise für den Cappuccino auf der Speisekarte trotz des edlen Ambientes nur 1.50 sagen, gehen wir hinein. Wir sind die einzigen Gäste in Daforma, einem Café, das auch eine Bar, Kunstgalerie, einen Concept Store und einen entzückenden Blumenladen beherbergt.

Schon bald verirren sich weitere Touristen ins Daforma, ein Paar aus Großbritannien. “I hope scottish tea is fine for you as well”, witzelt der Kellner auf die Frage, ob sie englischen Tee hätten. Nach dem Tee geht das Paar weiter. Wir bleiben noch etwas während wir den letzten Cappuccinoschaum aus unseren Tassen kratzen, bauen die Kellner das Buffet für den Aperitif auf. Couscous, Blätterteighäppchen und Mozarellatürmchen. Obwohl die Pasta Cacio e Pepe keine zwei Stunden her ist, ist es unmöglich diesem Anblick zu widerstehen. Also ordern wir drei Gläser Prosecco und erhalten somit die Genehmigung uns auf die Köstlichkeiten zu stürzen.

Am vorletzten Tag ist der Himmel wolkenverhangen. Ich beginne den Morgen mit einem typisch italienischen Frühstück in Grazia e Graziella, das gleich um die Ecke unserer Wohnung liegt. Mein Handy beteuert eine Außentemperatur von knapp 9 Grad. Mein Gefühl würde 15 Grad abziehen. Ich grabe meine Hände tiefer in die Taschen meines Mantels. So sieht er also aus, der Winter in Rom. Gestern hat das Wetter sich von seiner strahlendsten Seite gezeigt, heute ist es grau in grau. Wie in Mainz. Nur dass die orange roten Fassaden alles ein wenig bunter und sommerlicher wirken lassen.

Wie gern würde ich länger bleiben und sehen wie der Frühling die kalte Jahreszeit verdrängt. Die letzten Wintertage diesen Jahres in Rom erleben, die Spätwintertage. Wieso gibt man eigentlich nur dem Sommer eine Bezeichnung, die sein Ende ankündigt? Vielleicht um die warme Jahreszeit gebührend zu verabschieden und den Übergang in den Herbst etwas sanfter zu gestalten.
Nach kurzem Googlecheck erfahre ich, das Wort Spätwinter existiert sehr wohl. Bin ich die einzige, die es noch nie in Gebrauch hatte?

Der eisige Wind treibt mich schon bald aufs Neue ins Warme. “Bleib doch ein wenig länger. Es ist viel zu kalt draußen”, sagt der Kellner zu mir, als ich eine halbe Stunde später den frisch gepressten Saft an der Theke bezahle. “Ich komme wieder”, antworte ich lächelnd über meine Schulter hinweg und bahne mir den Weg durch das bis auf den letzten Tisch gefüllte Café Barnum.
Ich komme wieder.

 

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Winter-Kurztrip - ein Streifzug durch Rom

2 Kommentare

  1. Unser letzter Rom Besuch ist auch schon wieder viel zu lange her. An einem verregneten Mai-Wochenende waren wir dort und in vier Tagen kann man ja wirklich nur einen Bruchteil entdecken. Sag mal Bescheid, wenn die nächste itchyfeet Stadtführung ist – vielleicht schließen wir uns an 🙂

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