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Von Burgfräuleins unter Marillenbäumen: Frühling in der Wachau

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Die Wachau ist eine der ältesten Kulturlandschaften Österreichs. Kaum verwunderlich also, dass die Region in Niederösterreich im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe gekürt wurde. Die Stadt Melk, über der auf einem langgestreckten Felsrücken das barocke Benediktinerstift thront, wird das Tor zur Wachau genannt.
Die Landschaft ist geprägt von der Donau, die sich durch sonnenverwöhnte Weinberge, vorbei an prächtigen Schlössern und mächtigen Burgen, windet. Die eindrucksvollste Festung ist  die Burg Aggstein, die jedes Jahr eine Zeitreise ins Mittelalter antritt. Von hier ist es nur einen Katzensprung zur Kartause Aggsbach entfernt. Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters steht noch heute eine Hammerschmiede, in der man zahlreichen Sprichwörtern wie “eine ruhige Kugel schieben” oder “mehrere Eisen im Feuer haben” auf den Grund gehen kann.
In Kooperation mit Donau Niederösterreich Tourismus und Österreich Werbung hatte ich das Vergnügen vier genussreiche Frühlingstage in der Wachau zu verbringen.

Mit dem ICE fahre ich ohne Umstieg von Mainz nach St. Pölten. Nun sind es nur noch 20 Minuten mit der Regionalbahn nach Melk, wo mich strahlender Sonnenschein empfängt. Keine fünf Minuten Fußmarsch später stehe ich schon vor dem einladend aussehenden Hotel zur Post.
Nach dem Check-In schlendere ich durch die Melker Altstadt. In der Konditorei Mistlbacher gönne ich mir einen Linzer Kipferl zum Cappuccino. Nur wenige Meter weiter lasse ich mich schon wieder nieder. Diesmal in der Weinbar Kalmuck. Bei einem Glas Rosé lese ich in Umberto Ecos Baudolino und stimme mich mit dem historischen Roman schon mal ein, auf das Mittelalter und seine Gepflogenheiten.

Auf dem Weg zurück zum Hotel lasse ich die Altstadt hinter mir, biege einmal falsch ab und lande auf einem Parkplatz. Ich will schon umdrehen und den bekannten Weg zurück gehen, da sehe ich einen Magnolienbaum in voller Blüte. Im Hintergrund das Stift, das Wahrzeichen von Melk. Manchmal sind es eben die Umwege, die uns an die besonders schönen Orte führen. Tatsächlich verdanke ich es meinem unfassbar schlechten Orientierungssinn, recht häufig auf Reisen besonders zauberhafte Ecken zu entdecken.

Am Abend kehre ich beim Heurigen Gallhofer ein. Ein bunt geschmückter Kranz, der vor dem Haus an einem Mast befestigt ist, zeigt, dass das Lokal geöffnet ist. Oder vielmehr, dass der Heuriger ausg’steckt hat. Der Weinbau Gallhofer liegt inmitten von Marillenfeldern und ich habe das Glück gerade noch die letzten blühenden Bäume für dieses Jahr zu erleben. Die Wachauer Marille ist über die Grenzen hinweg bekannt für ihren ausnehmend süßen Geschmack, so dass die Region sich nicht nur als Weingebiet sondern auch als Obstgarten einen Namen gemacht hat.
Im Lokal sitzen an langen Holztafeln ausschließlich Einheimische, mit so starkem Akzent, sie könnten genauso gut japanisch sprechen, ich würde ähnlich wenig verstehen. Urig und einfach liab, wie man hier sagen würde.
Hier genehmige ich mir eine zünftige Brotzeit mit Aufstrichen, den legendären Wachauer Laberl und wunderbar leicht und duftigem Grüner Veltliner. Als sonnenverwöhnte Weinregion ist die Wachau ein Schlaraffenland für Genießer. Besonders im Frühling. Denn dann sperren die Winzer nach der kalten Jahreszeit wieder ihre Höfe und Keller auf und bieten die neuen Jahrgänge an.

Am nächsten Tag geht es nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel zur Post hinauf zum Stift Melk. Das Kaiserwetter, das mich in meiner Zeit in Österreich begleitet, lässt den prunkvollen Barockbau noch mehr strahlen. Martina Birkner führt durch die heiligen Hallen, in denen seit dem Jahr 1089 Benediktiner Mönche leben. Wir wandeln durch den mit herrlichen Fresken verzierten Marmorsaal und die beeindruckende Bibliothek mit ihren bis unter die hohe Decke reichenden Bücherregalen. Von der angrenzenden Terrasse hat man einen sagenhaften Blick auf Melk und ich sehe sogar mein Hotel. Im Hotel zur Post kann man sich übrigens nicht nur angenehm betten. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen und wird nur noch getoppt von den göttlich schmeckendem Palatschinken mit Marillenmarmelade, die im hoteleigenen Restaurant auf euch warten.

Doch zurück zum Streifzug durch das Stift. Neben Verwaltungsbüros und Gästezimmern, befindet sich auch eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht in den Gebäuden. 90 Lehrer kommen auf etwa 900 Schüler. Für 97 Euro im Monat kann man seine Zöglinge hier unterrichten lassen. Auch die Kinder von Frau Birkner besuchen die Stift Schule.

Am Nachmittag fahre ich mit dem Bus nach Aggstein. Hoch oben auf der Burg sind die Vorbereitungen für das Mittelalterfest in vollem Gange. Klopfende Geräusche eines Hammers begleiten mich auf verwinkelten Wege und Stiegen, vorbei an einer Gruppe, die den Platz zum Bogenschießen aufbaut. Mit filigraner Feinarbeit und bunten Farbtöpfen frischt Dirk Hammer, Figurenbauer aus Magdeburg, die Dekoration auf. Einige der Figuren haben tatsächlich schon einiges mitgemacht. Bei Wind und Wetter sitzen oder stehen sie draußen, versinken auch schon mal im Schnee. Heute spielt das Wetter in die Hände der Organisatoren. Zwischen 3000 und 6000 Besucher werden erwartet.

Wie gestern führt mich auch am Samstag der Weg entlang der Donau zur Burgruine Aggstein. Dieses Mal mit dem Taxi. “Grüße an den Chef”, und er soll mir einen ordentlichen Stamperl geben, verabschiedet sich der Fahrer, der mal in der Taverne der Burg gearbeitet hat.
Vor der Burg stehen kämpfende Ritter. Und wie so häufig, wenn Männer meinen sich die Köpfe einschlagen zu müssen, geht es auch hier um eine Frau. Jedes Jahr findet das Mittelalterfest unter einem bestimmten Motto statt. Mit “Die Braut von Aggstein” haben in diesem, dem 13. Jahr, die Helfer, unter der Organisation von Christine Jäger, ein buntes Rahmenprogramm ausgetüftelt. Ausnahmslos jeder, der am Fest mitwirkt, trägt schon in der Vorbereitungsphase zum Ablauf des Festes bei.

Gwen, im richtigen Leben Hypnosetherapeutin, tritt auf dem Fest als Wahrsagerin auf. In einer besonders dunklen Ecke der Ruine mit einem knisternden Kamin im Hintergrund legt Gwen auch mir die Karten. Im Zentrum steht ein Haus, was man als Zeichen für einen Umzug werten könnte und der Job liegt in der Beständigkeit, gleich neben dem Glück. Und dann wäre da noch der Teil, der mich am brennendsten interessiert. Die Sache mit der Liebe. Laut den Karten scheint Mr. Itchy Feet nicht in allzu großer Ferne zu sein. Ob ich ihn vielleicht sogar bereits kennengelernt habe, kann mir Gwen nicht sagen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Fest steht, er ist auf dem Weg zu mir.

Mein Lieblingsprogrammpunkt des Festes ist die Märchenerzählerin. Dena Seidl versteht es ihre Geschichten vollkommen frei, ganz ohne Spickzettel auf so mitreißende Art zu erzählen, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Nicht nur die Kleinen lauschen gebannt ihren Erzählungen, auch ich hänge an ihren Lippen. Bevor Dena Seidl mit ihren Geschichten beginnt tupft sie etwas “Feenstaub” auf die Nasenspitze ihrer Zuhörer. Erst als ich Stunden später zurück im Hotel in den Badezimmerspiegel blicke, sehe ich, dass ich noch immer den silberfarbenem Glitzer auf der Nase habe.

Wenn ich an Orten bin, die mir besonders gut gefallen, suche ich schon während der Reise nach Gründen zurück zu kommen. Bei der Wachau ist es definitiv das Wandern entlang der Donau und das Sonnwendfeuer im Sommer.

 

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*Diese Reise wurde unterstützt von Donau Niederösterreich Tourismus und Österreich Werbung. Die geschilderten Erlebnisse und Erfahrungen bleiben davon unberührt.

4 Kommentare

  1. Die Wachau ist wirklich zu empfehlen. Eine wunderschöne Landschaft, gastfreundliche Menschen und sehr leckeres Essen!
    Die Bilder hier sind wunderschön…;-)
    LG Christiane

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