People on my Way, Thoughts
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People on my Way: 10 Fragen an Talia Peiffer-Lapid

Ein kalter und trüber Januartag. Das Jahr 2018 ist erst wenige Wochen alt. Gerade aus Paris zurück, sehne mich schon wieder in die Ferne. Derweil stöbere ich durch Instagram und lasse ein paar Likes bei einer sympathischen US-Amerikanerin da. Wenig später piept mein Handy. Eine Nachricht von Talia, deren Fotos ich mir eben noch auf der Plattform angeschaut hatte. Sie hat auf meinem Profil entdeckt, dass ich Mainzerin bin und schrieb, dass sie selbst in nur einer Woche nach Mainz zieht. Was für ein verrückter Zufall!

Keine zwei Wochen später sitzen wir in einem meiner Mainzer Lieblingscafés, nippen an heißer Schokolade und Matcha und erzählen von unseren Leben. Vom Reisen, vom Selbstständigendasein, Zukunftsentwürfen und Talias Weg von New Mexico nach Mainz, den sie der Liebe wegen antrat.

Mittlerweile gehört Talia zu meinen besten Freunden. Ich lausche gerne ihren Geschichten und schätze sie genauso als gute Zuhörerin. Talia vermag es mein gelegentliches Chaos im Kopf mit klaren Ratschlägen zu ordnen. Zeit mit ihr ist jedes Mal eine Wohltat für die Seele.

Foto Credit: Talia Peiffer-Lapid

In der Interview-Reihe People on my Way stelle ich euch Menschen vor, die mich auf Reisen und in meinem Leben inspiriert und bewegt haben. Bühne frei für Talia!

10 Fragen an Talia Peiffer-Lapid

1. In welches Land ging deine allererste Reise?

Laut meiner Mama war meine erste Reise als ich ein Jahr alt war. Damals zog meine Familie von Kanada, wo ich geboren bin, nach New Mexico. Auf dem Weg in den Süden hielten wir in New York (wo meine Mama herkommt) und in Israel (wo mein Papa aufgewachsen ist). Die erste Reise, an die ich mich wirklich erinnere, ist diejenige, bei der mich das Reisefieber gepackt hat. Als ich acht Jahre alt war und ich mich mit meiner Familie auf dem Weg nach Israel insgesamt ein Jahr in London und Paris aufhielt.

2. Was bedeutet für dich Heimat?

Als Amerikanerin, die seit kurzem in Mainz lebt, ist dies eine Frage, über die ich im Moment viel nachdenke. Ist Heimat an Menschen gebunden, an einen Ort, oder ist es etwas das ich selbst in mir trage? Die kurze Antwort lautet: Ich finde es immer noch heraus. Die längere Version ist, ich denke, es ist eine Kombination all dieser Dinge: Meine Familie und meine engsten Freunde sind in den Vereinigten Staaten, und ich bin dort aufgewachsen, so dass ein großer Teil meines Herzens in den USA zuhause ist. Aber ich habe auch die israelische Staatsbürgerschaft, und in Israel kann ich ich selbst sein, mit einer Leichtigkeit, die aus einem Gefühl der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Geschichte und Kultur entsteht. Das habe ich nirgendwo sonst, also ist dort vielleicht ein Teil meines Seele zu Hause. Und jetzt lebe ich in Deutschland. Die Liebe hat mich hierher gebracht, mein Leben ist hier und ich plane hier zu bleiben. In vielerlei Hinsicht baue ich mir in Mainz mein Zuhause auf.
In mir entsteht eine besondere Schönheit und nostalgische Traurigkeit, wenn ich an Heimat denke, weil es mich daran erinnert, dass ein Teil von mir immer woanders ist, und doch weiß ich, dass ich alle meine Heimaten in mir trage.

3. Wie beginnst du den Tag?

,Nun, ich träume von einem entspannenden Morgen, beginnend mit einen Spaziergang am Rhein mit unserem Hund, Bagel, gefolgt von einer heißen Tasse Kaffee langsam auf unserem Balkon trinkend, dabei ein frisch zubereitetes Frühstück essend, und einer anschließenden stressfreien Fahrt zur Arbeit.. aber das ist leider nur ein Traum. Die Wahrheit sieht anders aus: Ich habe eine Hassliebe mit der Schlummertaste meines Weckers. Ich wache normalerweise mit gerade genug Zeit auf, um mich fertig zu machen, eine Tasse Kaffee zu trinken und mit einem Frühstück zum Mitnehmen zur Arbeit zu fahren, während ich mich leise frage, warum die meisten Deutschen so schnell fahren.

4. Was hat dich heute zum Schmunzeln gebracht?

Dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, Teil deines Blogs zu sein. Vielen Dank!

5. Was treibt dich an?

Beziehungen und Neugier. Genauer gesagt, Aufbau und Pflege von Beziehungen mit Familie, Freunden, Tieren und Natur. Und das Leben mit einer Haltung der Neugierde anzugehen, die meinen Wunsch nährt, neue Kulturen zu erforschen, über die Welt zu lernen und als Person zu wachsen.

6. Wofür bist du dankbar?

Die großen Dinge: meine Gesundheit, Ehemann, Familie, Freunde, Hund Bagel. Die kleinen Dinge: Heute war ich dankbar, am Rhein entlang zu laufen, als die Sonne die kühle Nachtluft erwärmte und die Stadt langsam aufwachte.

7. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

“Das Geschenk des Regens” des malaysischen Schriftstellers Tan Twan Eng. Es ist eine erstaunliche Geschichte über das Leben in Malaysia während der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Ich lese gerne Bücher, die mich in eine andere Zeit oder einen anderen Ort bringen. Es ist der kostengünstigste Weg, den ich gefunden habe, um zu reisen, und ich fühle das gleiche nostalgische Bedauern, wenn eine gute Reise oder ein gutes Buch zu einem Ende kommen.

8. Was ist für dich Freiheit?

Auf der gesellschaftlichen Ebene glaube ich, dass Freiheit die Fähigkeit ist, zu denken, zu tun, zu wählen, zu fühlen und zu glauben, was ich will, basierend auf meinen Werten und Überzeugungen. Ich denke, es ist unglaublich wichtig für diejenigen von uns, die das unglaubliche Glück haben, “frei” zu sein, zu versuchen, Entscheidungen zu treffen, die dazu beitragen, die Freiheit von anderen zu erhöhen, die vielleicht nicht das gleiche Glück haben. Auf der individuellen Ebene kommt das reinste Gefühl der Freiheit, wenn ich tief in der Natur und “unplugged” bin. Wenn ich bewusst von “Tuen” zu “Sein” umschalte, kann ich mich auf das konzentrieren, was mir wirklich wichtig ist.

9. Was fehlt dir zum Glück und welchen Traum möchtest du dir erfüllen?

Ich habe immer davon geträumt, ein eigenes Café zu haben, und obwohl ich diesen Traum gerne erfüllen würde, weiß ich auch, dass mein Leben ohne es sehr ausgefüllt sein kann.
Ich glaube nicht, dass ich etwas vermisse, um glücklich zu sein (abgesehen davon, dass ich meine Familie in den USA vermisse). Es ist so leicht in diesen Gedanken gefangen zu sein, wie ich glücklicher wäre “wenn …” oder “wann …”, aber ich versuche mich selbst daran zu erinnern, nach innen zu schauen, denn alles was ich brauche um glücklich zu sein ist in mir selbst.

10. Wohin geht deine nächste Reise?

Zurück in die Vereinigten Staaten, um den Geburtstag meiner Schwester und die Hochzeit meines ältesten Freundes zu feiern. Was ich über das Leben im Ausland realisiert habe, ist, dass viele meiner Reisen jetzt zu vertrauten Orten zurückkehren werden, anstatt an neue Orte zu gehen. Auch wenn das ein bisschen schwierig für mich ist, weil ich es liebe, neue Teile der Welt zu erkunden, habe ich es zu einer Priorität gemacht, Wege zu finden, ein Teil der großen Momente im Leben der Menschen zu sein, die mir wichtig sind, trotz meines Lebensweges.

Foto Credit: Talia Peiffer-Lapid

Danke fürs Zeit nehmen und Mitmachen, liebe Talia! Und dafür, dass du so bist du du bist. Du bereicherst mein Leben sehr.

Kategorie: People on my Way, Thoughts

von

Sarah

Mainzerin Sarah packt regelmäßig das Fernweh und kurz darauf ihren Koffer, um neue, faszinierende Orte zu bereisen oder an alte, lieb gewonnene zurückzukehren. Und obwohl sie gelegentlich von einem Neuanfang an einem anderen Ort träumt, einem kleinen Haus in der Toskana mit Klappläden an den Fenstern und Zitronenbaum im Vorgarten oder von einer Stadtwohnung in Lissabon mit Blick auf den Tejo, ist Mainz eben doch ihre Stadt des Herzens.

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