Alle Artikel mit dem Schlagwort: wild campen

Schottland

The Legend of Sandwood Bay

Es war einmal ein Bauer namens Alexander Gunn, der seit jeher in den schottischen Highlands lebte. Eines Tages, als er seine Herde Schafe zurück ins Gatter führte, fiel ihm auf, dass eines von ihnen fehlte. Zusammen mit seinem Collie Jack machte er sich auf die Suche nach dem Schaf und ihr Weg führte sie zum abgeschiedenen Sandwood Bay, wo Jack der Hund eine unglaubliche Entdeckung machte. Heulend krümmte er sich zu Gunn’s Füßen vor Angst. Auf einem Felsvorsprung zeichneten sich die Umrisse eines Körpers ab. Gunn dachte zunächst es sei ein Seehund, doch bei genauerem Hinschauen erkannte er das rötlich-gelbe Haar, die grünblauen Augen und den über zwei Meter langen grünen Körper der Figur. Bis zu seinem Tod im Jahr 1944 hielt Alexander Gunn an seiner Geschichte fest und behauptete, dass er an diesem einen Tag am Sandwood Bay eine Meerjungfrau von hinreißender Schönheit gesehen hatte. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Bucht an der äußersten Nordwestküste Schottlands. Manche harmloser andere so schaurig, dass ich froh bin, sie erst nach meiner Reise an den mystischen …

Schottland

On our Way to Sandwood Bay

Schottland meinte es wieder gut mit uns. Die Sonne knallte vom strahlend blauen Himmel und zum ersten Mal, seit wir in den Highlands unterwegs waren, mussten wir uns den dicken Fleecejacken entledigen und spazierten nur mit luftigen Longsleeves. Das nette Paar aus München, das Frithjof und mich in Durness aufgegabelt hatte, ließ uns in Kinlochbervie raus. Die letzten Kilometer bis nach Blairmore, wo der offizielle Weg zum Sandwood Bay begann, legten wir zu Fuß zurück. Doch wir hatten nochmals Glück. Die sympathische Kanadierin Olivia, die ihr Herz an die schottischen Highlands verloren hatte und seit einigen Jahrzehnten in Blairmore wohnte hielt mit ihrem Kombi neben uns an: „Wollt ihr zum Sandwood Bay? Kommt ich nehme euch mit zum Besucherparkplatz.“ Da mein Fuß noch immer ordentlich blau war, nahmen wir das Angebot trotz des sagenhaften Wetters an. Nach nur wenigen Minuten waren wir angekommen. Unsere Fahrerin nutzte die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang mit ihrem Welpe und stieg ebenfalls aus. Bevor wir losstapften, machte uns Olivia mit Max, dem Pony, bekannt, der sein Gatter gleich am …

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You can find me where the Music meets the Ocean

„There’re two Orcas swimming in the bay“, rief der Mann in der orangen Warnweste durch das Schild seines Motorradhelms. Ein anderer Fahrer hielt ebenfalls neben uns an. „If you hurry you’ll see them, too.“ Frithjof und ich rannten los. Liefen in Windeseile, mit den schweren Rucksäcken, bis ans Ende der Aussichtsplattform und blickten hinaus aufs Meer. Wir waren gerade auf dem Weg an den Stadtrand von Durness, dem kleinen Küstenort weit im Norden Schottlands. Dort wollten wir erneut den Daumen ausstrecken, um gen Süden zu fahren. Zwei Tage hatten wir in dem 400-Seelen-Dorf verbracht, nachdem wir uns von Inchnadamph verabschiedeten und Mut fassten aufzubrechen. Wir ließen uns die wilde Meeresluft um die Nase wehen und machten Bekanntschaft mit Othello und Mopple the Whale aus „Glennkill“. Unterschlupf fanden wir bei dem Couchsurfer Scott. „Ich muss zur Arbeit ins Pub. Essen steht in der Küche. Fühlt euch wie zu Hause“, waren seine Worte an uns, als wir gerade in seinem Heim angekommen waren – und auf unsere Frage, ob wir abschließen sollten, wenn wir das Haus verlassen …

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After the Storm

Am nächsten Tag wieder aufbrechen und weiter wandern? Undenkbar nach unserem Horrortag in den Bergen. Aus der einen geplanten Nacht in Inchnadamph wurden drei. Frithjof und ich brauchten eine Weile, um unsere Wunden zu lecken. Dafür war die kleine Ortschaft genau das Richtige. Eine Gruppe Geologiestudenten aus Hamburg hielt sich zeitgleich mit uns in der gemütlichen Lodge auf und versorgte uns rührend. Noch am Abend unserer Ankunft, als wir klatschnass, verschlammt und mit Angst in den Augen in den Gemeinschaftsraum einfielen, brachte uns Hanno Bananen und Kitkats und Philipp verköstigte uns mit einem köstlichen Blumenkohlauflauf. Kraft tanken, das Erlebte verarbeiten. Die drei Tage in Inchnadamph, umgeben von vielen lieben Menschen, die uns auffingen und uns Mut machten, waren genau das was wir in diesem Moment brauchten. Im Supermarkt des kleinen Nachbarortes kauften wir ein und revanchierten uns bei den netten Hamburgern mit selbst gebackenem Apfelkuchen. Nachmittags saßen wir vor der Lodge in der Sonne und sahen zu den Bergen hinauf über die wir gekommen waren. Am zweiten Tag nach unserer Ankunft saß, frisch eingetroffen, ein …

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The Dark Day

Eigentlich hätten uns die tief hängenden Wolken eine Warnung sein müssen. Vielleicht lag es an unserer wenig ausgeprägten Erfahrung als Wanderer. Vielleicht lockte uns der Gedanke nach vier Tagen endlich wieder warm zu duschen und in einem richtigen Bett zu schlafen. Frithjof und ich jedenfalls, ignorierten die düstere Wolkendecke und marschierten weiter Richtung Inchnadamph, wo das erste Hostel während unseres Wild Camping Trips in den schottischen Highlands auf uns warteten sollte. Die ersten Kilometer kamen wir ausgesprochen zügig voran. Schon am Vormittag hatten wir Loch Ailsh erreicht – hier wollten wir notfalls nochmal das Zelt aufschlagen, falls sich die ersten Kilometer als zu schwierig gestalten sollten. Doch wir lagen super in der Zeit – gegen Nachmittag wären wir sicher im Hostel. Wir liefen weiter entlang des Flusses. Sobald wir die Höhenmeter zwischen den Bergen Conival und Ben Mor bewältigt hätten, wären wir schon so gut wie am Ziel, unserer Tagesetappe. Etwa zwei Kilometer hinter Loch Ailsh endete der markierte Pfad. Der Wind blies immer kräftiger. Nieselregen setzte ein. Das erste Mal kam ich an meine …

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Into the wild

Noch in Deutschland waren Frithjof und ich uns ziemlich schnell einig, dass wir nicht den populärsten Wanderweg, den „West Highland Way“ bestreiten wollten. Nein, es sollte noch ein wenig wilder und einsamer sein. Der „Cape Wrath Trail“ schien geradezu perfekt. Mit seinen insgesamt 378 Kilometern war dieser Steig mit einigen Flussüberquerungen und unmarkierten Pfaden für die 14 Tage, die wir uns Zeit nehmen wollten, unmöglich zu schaffen. Also beschlossen wir, die ersten zwei Drittel des Trails auszulassen und erst in dem kleinen Küstenort Ullapool zu starten. Immerhin knapp 150 Kilometer müssten wir in der Zeit zurücklegen – inklusive strapaziöser Höhenmeter. Das Ende unseres Abenteuers und die ultimative Belohnung sollten zwei entspannte Tage im malerischen Sandwood Bay sein. Uns so machten wir uns, nach einem aufwärmenden Tee und einem letzten Toilettengang mit Kloschüssel, samt Wanderstöcken, Kameraequipment und gut 11 Kilogramm Lebensmitteln in den Rucksäcken, bei strahlendem Sonnenschein, auf den Weg Richtung Norden. Nach nur wenigen hundert Metern begegneten uns die ersten Schafe – und zu meiner Freude grasten auf den Weiden, neben den meist wütend blökenden …