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Frühlingsgefühle auf Elba

Blick auf Elba

Es gibt wohl schlimmerer Ort, an die man ins Exil flüchten kann. Enge Gassen winden sich in geschmeidigen Bewegungen hinauf zur Burg, die Orangenbäume tragen erste Früchte, die Sonne beginnt die Felsen zu wärmen und die Entscheidung was nun ein strahlenderes blau hervorbringt – der Himmel oder das Meer – ist schlicht nicht zu beantworten. Ja, auf Elba lässt es sich aushalten und als ich mittags vor dem hellgelben Palazzina dei Mulini mit den grünen Fensterläden stehe, fällt mein Mitleid für Napoleon Bonaparte gering aus, der das Anwesen für zehn Monate bewohnte.

Für Wanderliebhaber lockt die Mittelmeerinsel mit Bergen und unberührter Natur. Weiße Sandstrände und glasklares Wasser laden in den Sommermonaten zum Baden ein. Während unserer Toskanareise im Februar,  hat die Saison noch nicht begonnen und es ist natürlich noch deutlich zu kalt fürs Schwimmen, dafür können wir die Insel in Ruhe erkunden, bevor der große Touristenansturm anfängt.

Unser Ausflug nach Elba beginnt in der Hafenstadt Piombino. Hier nehmen wir die Fähre, die uns in einer Stunde auf die drittgrößte Insel Italiens bringt. Genauer gesagt, nach Portoferraio, dem Hauptort auf der Insel Elba. Nach einer Runde am Yachthafen lassen wir uns an der Promenade in der Sonne nieder und genehmigen uns cappuccini und dolci.

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Später schlendern wir die Gassen der Insel hinauf. Am Rande der Burg spricht uns eine ältere Dame an, die gerade ihren Pudel ausführt: „Höre ich da etwa meine Muttersprache?“ In der nächsten Viertelstunde erfahren wir die turbulente Lebensgeschichte der 80-Jährigen, die es in den 60er Jahren gemeinsam mit ihrem Mann, einem berühmten Opernsänger, nach Elba verschlagen hat. Ihr Mann ist seit mehr als einem Jahrzehnt tot und sie allein mit ihrem Hund zurückgeblieben. „Die Kinder leben in Amerika“, klagt sie. Schwer vorzustellen, dass man sich an solch einem schönen Ort einsam fühlen kann, aber doch kann ich sie verstehen. Ganz allein, ohne jemanden zum Teilen von bedeutsamen Momenten, macht eben auch kein Appartement mit einer der besten Aussichten über die Insel Freude.

Seit einigen Jahren versuche sie nun schon ihre großzügige Wohnung zu verkaufen – ohne Erfolg. Jetzt sitzt sie alleine in ihrem 200 Quadratmeter großem und zwei Millionen schwerem Apartment und will eigentlich nur zurück nach Deutschland. „Du hast es gut. Du bist gleich in Gesellschaft dreier junger Männer!“ sagt sie zu mir zum Abschied und nickt in Richtung Frithjof, Tim und Carlos. Am liebsten hätte ich mich noch auf einen Kaffee mit der eleganten Dame niedergelassen, um weiteren Geschichten aus ihrem glamourösen Leben einer Operngattin zu lauschen, aber die Zeit rennt und unsere Fähre wartet nicht auf uns.

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Wenn alles glatt läuft, habe ich das Glück im Juli nochmals in die Toskana zu reisen – ein Abstecher nach Elba darf dann natürlich auch nicht fehlen. Nur, dass dieser ganz anders sein wird. Mit viel mehr Leben auf der Straße, Touristen und weit mehr Schweißperlen beim Ersteigen der Burg. Auch genehm!

4 Kommentare

  1. Andreas Hohaus sagt

    Sehr schön beschrieben und man bekommt das Gefühl dabei gewesen zu sein!Klasse Photos,so das ich Elba gerne selbst mal besuchen möchte.Ich freue mich schon auf weitere Einträge in deinem Blog!

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