Alle Artikel in: Rom

Römische Re­t­ro­s­pek­ti­ve

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück aus der Toskana. Der Koffer steht noch unausgepackt in der Ecke meines Zimmers, der süße Nachgeschmack des dolce vita ist noch gegenwärtig. Neben dem Baden im Meer, Wanderungen entlang der Küste und Dörfer-Hopping bis nach Montepulcaino hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, zum sich Sehnen und zum Erinnern. Rom spukte mir oft durch den Kopf. Der ewigen Stadt so nah, habe ich es in den drei Wochen in Italien nicht ihr einen Besuch abzustatten. Nächstes Jahr wieder, mein geliebtes Roma, versprochen. Bis dahin bleibt uns die Erinnerung! Vor fünf Jahren wagte ich mich in eines der größten Abenteuer meines bisherigen Lebens. Ich buchte einen Italienisch-Sprachkurs, mietete mir ein kleines Studio am Campo de‘ Fiori und verbrachte einen ganzen Sommer in Rom. Mit Höhen und Tiefen hat mich wohl keine andere Zeit so geprägt wie diese drei intensiven Monate. Doch eines blieb unverändert: Meine Liebe zu dieser unvergleichlichen Stadt. Wenn ihr Lust habt, nochmal zurückzublicken und mit mir in Erinnerungen zu schwelgen, gibt es hier ein paar Eindrücke …

Süßigkeiten in einem italienischen Kaffee.

Last Days in Rome

Unschwer an den Fotos zu erkennen habe ich die letzten Tage in Rom, zusammen mit meinen lieben Eltern, hauptsächlich mit dem Verspeisen italienisicher Köstlichkeiten verbracht. Ein letztes cena in meinem Lieblingsrestaurant bei Ivo, gekrönt mit köstlichem Tiramisu. Wir genossen göttlich-schmeckende überbackene Aubergine in der Bar del Fico und schauten dabei den älteren Italienern beim Schachspielen unterm Feigenbaum zu. Beim letzten Frühstück in meinem Stammcafé habe ich noch schnell Adressen mit der sympathischen Kellnerin ausgetauscht und der Abend gehörte natürlich Trastevere. Ganz bewusst sogen wir noch einmal die Düfte nach Pizza und Après Lotion ein, um die Erinnerung an die laue Sommernacht an einem kalten Herbsttag in Deutschland besonders intensiv ins Gedächtnis rufen zu können. Jetzt sitze ich im Zug nach Grosseto und die toskanische Landschaft zieht am Fenster vorbei. Die nächsten Tage verbringe ich auf einem Campingplatz in Castiglione della Pescaia, der direkt am Meer gelegen ist und lasse meine Zeit in Italien mit einem Strandurlaub ausklingen.

Enge Gasse mit einem Torbogen.

Neighbors

Schräg gegenüber meiner Wohnung, lebt ein entzückendes, italienisches Ehepaar. Er stellt nachmittags gern einen kleinen Tisch und zwei Stühle auf die Straße und spielt mit seinen Freunden Karten. Laut missmutiger Aussage seines Freundes gewinnt für gewöhnlich mein Nachbar. Seine Frau sitzt meist in der Nähe und unterhält sich lautstark, wild gestikulierend mit vorbeikommenden Bekannten. Ein wirklich charmantes Pärchen. Er hat mir auch schon häufig aus der Patsche geholfen. Sei es mir einen Dosenöffner zu borgen oder mir beim Öffnen meiner widerspenstigen Haustür behilflich zu sein. Vor ein paar Tagen hatte ich das besondere Vergnügen einen Blick in die Wohnung der beiden werfen zu dürfen. Meine Nachbarin saß gerade mal wieder auf der Straße, als ich mit meinen Einkäufen vorbeikam, da bot sie mir eine kleine Wohnungsbesichtigung an. Sie schloss die schwere Tür auf. Eine steinerne Treppe, die von allerlei Kübeln und Pflanzen gesäumt war, führte zu den oberen Wohnräumen. Während man, wenn man durch meine Tür tritt, die im Erdgeschoss unmittelbar an der Straße liegt, direkt neben der Schlafcouch steht. Die hellen, großzügigen Räume mit …

Eine junge Frau läuft vor einer Bar entlang.

Sleepless in Rome

Was tun, wenn man um unmenschliche 6 Uhr in Rom erwacht und nicht mehr einschlafen kann? Auf zu den Plätzen, die sonst so überfüllt sind, dachte ich mir. Gesagt, getan. Ich schlenderte durch die noch verschlafenen Straßen Roms. Die Cafés öffneten langsam ihre Türen und verströmten den Duft nach frisch geröstetem Kaffee und ofenwarmen Croissants. Ein paar Gemüsehändler richteten ihre Waren und auch die Souvenirverkäufer bereiteten sich auf den Tag vor, stellten Miniatur Kolosseums in Reih und Glied. Hier und da lagen leere Peroni-Flaschen. Die Spuren der vergangenen Nacht. Ich passierte das Pantheon. Ohne die Menschenmasse, die sich sonst darum scharen, erschien es mir noch gewaltiger. Fast 2000 Jahre steht es hier nun schon. Faszinierend. Schließlich ging ich um die unscheinbare Ecke und meine Nackenhaare stellten sich auf. Wie jedes Mal, wenn ich den Trevi-Brunnen erblicke. So oft war ich nun schon hier, aber dieses Mal war es etwas ganz besonderes. Noch nie zuvor habe ich diesen Ort so still erlebt. Nur eine Handvoll Menschen verweilten auf den Marmorbänken und ein Pärchen warf Münzen in …

Nahaufnahme eines Springbrunnens. Dahinter steht eine Parkbank unter Bäumen.

Al Parco

Heute saß ich mal wieder in einem wunderschönen Park, der durch den Duft der Pinien und das Zirpen der Zikaden, toskanische Erinnerungen in mir weckte. Auf einer Parkbank sitzend, deren Lehne wie gemacht für meinen Rücken schien, schaute ich einer Gruppe Italienern zu, die im Schatten der Bäume, in anmutigen Bewegungen Tai Chi praktizierten. Vor einigen Jahren hatte ich selbst mal einen Kurs in der chinesischen Kampfkunst besucht, es aber schnell wieder aufgegeben. Vor allem, weil mit die Atmosphäre in der stickigen Halle nicht zusagte. Hier an diesem Ort würde ich mich aber definitiv überreden lassen, noch einen Versuch im Tai Chi zu wagen. Nach kurzer Zeit setzte sich eine reizende ältere Italienerin zu mir, die über ihre „piedi vecchi“ schimpfte. Wir kamen ins Gespräch und einige Minuten später stieß ihr Mann dazu. Er hatte eine Flasche mit Kaffee dabei, von dem mir die Dame auch gleich anbot. Da ich nur eine volle Flasche Wasser bei mir trug, funktionierte ich meinen Flaschendeckel zu einer Tasse um. Nachdem wir ein paar „Deckel“ getrunken hatten, zeigte mir …

Eine graue Katze hat es sich auf Dachziegeln gemütlich gemacht,

Of Birds and Cats

Heute hatte ich gleich zwei tierische Erlebnisse der besonders Mitgefühl erregenden Art. Auf dem Weg zur Wäscherei begegnete ich einer Katze. Sie lief mir ein Stück hinterher und miaute so herzzerreißend, dass ich allen Ernst für einen Moment überlegte, was mein Vermieter doch gleich zum Thema Haustiere gesagt hatte. Mit frisch gewaschener Wäsche machte ich mich wieder auf den Weg zu meiner Wohnung und wartete an der Haltestelle. Da sah ich ein kleines zitterndes Vögelchen auf der Straße, das sich an den Bordstein kauerte. Ich schaute kurz die Straße herunter. Die Tram war bereits in sichtbarer Nähe. Ich beugte mich zu dem winzigen Tier hinab und versuchte es vorsichtig mit meiner Hand hochzunehmen. Der Vogel missverstand meinen Rettungsversuch und hüpfte weiter auf die Straße. Ich stürzte hinterher und signalisierte dem Tramfahrer anzuhalten. Dieses Mal Griff ich etwas beherzter zu, aus Sorge, dass das Vögelchen endgültig unter der Tram verschwinden würde. Aber keine Sorge, lieber Papa, ich habe den Vogel nicht versehentlich zerquetscht, wie damals den Frosch, als ich klein war, sondern brachte ihn an einen …

Sonnenblumen auf dem Campo dei Fiori.

A Noon in Rome

Nach meinem gestrigen Strandtag in Lido di Ostia, habe ich mich heute wieder ins römische Leben gestürzt. Den Tag begann ich auf dem Campo de‘ Fiori, dem ältesten Markt der Welt. Zumindest schnappte ich diese Gegebenheit auf, als eine Gruppe Touristen vorbei lief und der Reiseführer seinen Schäfchen über den einstigen Blumen-Markt erzählte. Auf dem Campo saß ich eine Weile auf dem Rand des Brunnens, beobachtete das bunte Treiben und die meist erfolglosen Versuche der Kellner, Touristen zum Frühstücken in ihre Cafés zu locken. Anschließend ging es weiter durch die Via Coronari, unerbittlich vorbei an der Gelateria del Teatro (Bild 6). Die heutige Ration Eis werde ich zur Abwechslung in einer Yogurteria zu mir nehmen. Im Slalom passierte ich den Piazza Navona, um den fotografierenden Menschen auszuweichen. Dann sah ich mit neidischen Blicken zu wie in den Restaurants Pizza Caprese und Co verspeist wurde. Aus Kostengründen nahm ich mein Mittagessen in meiner Wohnung ein. Risotto mit Zucchini stand auf meiner Speisekarte. Durch das bloße Würzen mit Salz wurde der Geschmack leider etwas getrübt. Beim nächsten …

Pinke Blüten in einem Rosengarten.

Put down your map and get lost wonderfully

Bestimmt kennt ihr das auch: Auf Reisen entdeckt man die besonders schönen Ecken oft, wenn man einfach, ohne konkretes Ziel vor Augen, drauflos läuft. Am Sonntag bin ich eine Weile am Tiber entlang spaziert und nach ungefähr einer Stunde Fußmarsch habe ich einen kleinen Park mit Orangenbäumen gefunden. Der kam gerade recht, denn es war sehr heiß und außerdem fingen meine Beine langsam an zu streiken. So konnte ich mich ein Weilchen auf einer Bank im Schatten ausruhen. Leider blieb es bei diesem kurzen Moment. Ich wäre gern noch etwas länger geblieben, um Fotos zu machen und den herrlichen Duft der Orangen zu genießen, allerdings wurde mein Augenblick der Ruhe von einem aufdringlichen Italiener gestört und somit war ich gezwungen diesen wunderbaren Ort zu verlassen. Ich schlenderte noch eine Weile durch die Gegend und entdeckte einen sehr schönen Rosengarten, in dem ich dann auch nochmal eine Pause eingelegt habe. Hier fand ich dann auch etwas Zeit ein paar Fotos zu schießen, die ihr hier sehen könnt. Seid ihr auch schon Mal auf Reisen unerwartet auf …

Ein Capuccino mit einem lustigen Geschicht, das in den Schaum gemalt wurde.

Io sono felice!

In diesem Augenblick bin ich mit der Welt vollkommen im Reinen. Ich sitze in meiner neuen Wohnung und in der kleinen Küche kocht mein erstes in Rom selbst zubereitetes Essen vor sich hin, (davor habe ich mich größtenteils von Baguette mit Käse und Ketchup ernährt). Ich kann es noch gar nicht fassen: Seit gestern lebe ich in einem kleinen Apartment im Zentrum, in einer der schönsten Straßen Roms und bin nur wenige Gehminuten vom Campo dei Fiori entfernt. Die Wohnung ist zwar winzig aber dafür umso gemütlicher und vor dem Haus ist ein kleiner Trinkwasserbrunnen, so dass ich mir das Schleppen von Wasserflaschen sparen kann. Ich kann es kaum erwarten morgen aufzustehen und in dem Café um die Ecke zu frühstücken. Ansonsten kehrt langsam Routine in mein Leben in Rom ein. Ich freunde mich Schritt für Schritt mit den Busfahrplänen an und eine Stammkneipe habe ich mittlerweile auch. Ich schaue dort so gut wie jeden Tag vorbei und werde immer von einem schlechten Gewissen geplagt, da ich das Café eigentlich nur wegen des gratis Wi-Fi …

Eingetragenen Termine im Kalender.

„I maccheroni, per favore!“

Meine erste Woche in Rom verging wie im Flug. Ich lernte viele liebe Menschen kennen, hatte meinen ersten Chocolate-Shot und trank das widerlichste Bier meines Lebens. Unter der Woche besuche ich einen Italienischkurs an der Scuola Leonardo Da Vinci. Unsere Lehrer ist der reinste Komödiant und gestaltet den Unterricht sehr unterhaltsam. Allerdings ist es ein seltsames Gefühl wieder Hausaufgaben aufzubekommen. Einen Spitznamen habe ich auch schon. Als ich ein Paar braune Schuhe in einem Geschäft anprobieren wollte, sagte ich „maccheroni“ anstatt „marrone“. Meine Freunde nennen mich nun “Makkaroni”.