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Wie ich auf Flores die Langeweile kennenlernte

Draußen fegt ein Sturm über die Felder. Ich lege das Buch beiseite und schaue aus dem Fenster. Kleine Kreise auf der Wasseroberfläche des Pools verraten mir, dass der Regen noch nicht aufgehört hat. Mücke, die kleine rote Katze der Vermieter unserer Ferienwohnung, springt aus dem Gebüsch, maunzt einmal klagend zu mir hoch und huscht über die Terrasse in Richtung Trockenheit.
Ich setze mich wieder in den Sessel neben dem Esstisch und sehe auf die Uhr meines Handys. Kurz vor fünf am Nachmittag. Ich rechne die verbleibende Zeit aus, die ich noch überbrücken muss, um nicht zu einer vollkommen absurden Zeit schlafen zu gehen. Fünf Stunden ohne WLAN, wandern, essen, denn satt bin ich schon mehr als mir lieb ist, und lesen, denn von meinem Buch sind nur noch drei kurze Kapitel übrig. Fünf. Lange. Stunden.
Und zum aller ersten mal während einer meiner Reisen, weiß ich absolut nichts mit mir anzufangen. Die Langeweile ist so gähnend, dass ich mir sogar meinen Schreibtisch mit der darauf wartenden Arbeit herbei sehne.

Es ist der letzte volle Tag, den Sandra und ich auf der kleinen Insel im Atlantik verbringen, bevor es Richtung Heimat, mit Zwischenstopp auf São Miguel und in Lissabon, geht. Am Vormittag, noch vor der sich einschleichenden Langeweile, gehen wir den abwärts führenden Pfad zu einem Steinstrand. Vorbei an Kühen und einem Arbeiter, der sein kleines Steinhaus auf Vordermann bringt. Von den Bäumen pflücken wir Araçás. Die kleinen, roten Früchte sind die Erdbeeren der Azoren und schmecken süß-säuerlich. Joachim, der seit zweieinhalb Jahren auf Flores lebt, macht daraus mit Vorliebe Eis. „Einfach noch ein paar reife Bananen in die Maschine. Fertig.“ Auch die wachsen bei dem feucht-warmen Klima ausgezeichnet auf der kleinen Insel.

Nach unserer zweiten Wanderung zum Hafen von Lomba machen wir auf dem Rückweg halt bei der pastelaria. Drei frische Kuchen stehen dort in der Vitrine. Die freundliche Azoreanerin packt uns zwei große Stücke in eine Schachtel und kurz bevor die ersten Regentropfen vom Himmel fallen, sitzen wir bei einer Tasse Kaffee in unserer Ferienwohnung und lassen es uns die großen Stücke schmecken.

Eine Stunde später wandle ich rastlos durch die Wohnung. Ich öffne mit fragendem Blick den Kühlschrank, schließe die Tür, ohne eine Antwort erhalten zu haben. Hier ist sie also, die Langeweile. Zehn Buchstaben, die in meinem Leben sonst ein Fremdwort bilden. Und hier am westlichsten Punkt Europas treffe ich sie mit Argwohn und Skepsis. Und dann greife ich zu meinem Handy und tippe diese Zeilen.

17 Kilometer lang und 12,5 Kilometer breit und mit 143 Quadratkilometern hat Flores etwa die Größe von Mannheim. Der Flughafen in Santa Cruz, der „Hauptstadt“ der Insel, erinnert mit seinen dunkelblauen Fliesen von außen mehr an ein Schwimmbad, als an einen Ort, wo keine bis immerhin vier Flugzeuge am Tag starten. Drei Tankstellen kommen auf die 3500 Einwohner. Einige davon haben das westlichste Stück Europas nie verlassen. Bei der Anzahl an Menschen, auf diesem kleinen Fleckchen Erde, gestaltet sich die Partnerwahl recht übersichtlich.

Trotz der kleinen Größe bietet Flores ganz viel Natur, die auf zahlreichen Wegen vorbei an tosenden Wasserfällen und tiefen Kraterseen, darauf wartet erwandert zu werden.
Die Ruhe und Abgeschiedenheit auf der Insel tut gut, aber nach vier Tagen freue ich mich zurück im vergleichsweise turbulenten Ponta Delgada zu sein. Mit den kleinen Gassen, den hübschen Cafés und vielseitigen Restaurants. Und dann natürlich auf Lissabon, einer Stadt, die mir wohl auch nach vielen Jahren, keinen Grund zur Langeweile geben würde.

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Nachhaltigkeit mitbringen – an den Baikalsee

Nachhaltigkeit mitbringen – an den Baikalsee

Unsere Projektreise geht an den magischen Baikalsee. Die Jungs und Mädels von EastWest e.V. verbringen vier Tage auf der Insel Ol‘chon – das Schmuckstück der Baikalseeregion. Im folgenden Eintrag erzählen sie von ihren Eindrücken des fernen Russlands im Zusammenhang mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Tag 1: Zwischen Magie und Industrie

Von Maurice und Martin

Gleich am ersten Tag unserer Reise lernen wir eine der rund 200 Volksgruppen Russlands kennen: Die Buratier leben als einheimischer Stamm bereits seit dem 10. Jahrhundert auf der Insel Ol’chon, der größten im Baikalsee. Ihre Religion, ein naturalistischer Schamanismus, hält sich bis heute in der Kultur der Insel und findet sich in zahlreichen Sagen über die im trockenen Steppenklima gut sichtbaren Felsen wieder.

In einer dieser Sagen geht es um die Familienplanung. Wenn ein burjatisches Ehepaar kinderlos blieb, verbrachte es eine Nacht am „Liebesfelsen“. Die auf den ersten Blick ersichtliche Herzform ist, laut den fantasiereichen Ureinwohnern, eine gebärende Frau, die ihre Schenkel dem Baikal öffnet. Es heißt: Wer auf dem linken „Knie“ (linker Hügel) eine Münze zurücklässt, darf einen Jungen erwarten. Eine Münze auf dem rechten „Knie“ führt zu einem Mädchen.

Foto Credit: EastWest e.V.

Die Liebesfelsen sind nur ein Beispiel dafür, welche Bedeutung die verschiedenen Landmarken der Insel Ol’chon für die Buratier haben. Der Gipfel des Schima – mit 1274 m der höchste Berg der Insel – gilt ihnen als heiliger Sitz des fiktiven Herrschers des Baikals. Hier haben sich in der Vergangenheit nur die Schamanen hingetraut, um mit den Geistern und Ahnen zu sprechen. Bei Kap Choboi, der nördlichsten Punkt Ol’chons, befindet sich eine Klippe, die an das Profil einer Frau erinnert. Die Metapher der Buratier besagt, diese Frau habe sich von ihren Mitmenschen wie eine Göttin verehren lassen. Für ihre Überheblichkeit wurde sie bestraft und in Stein verwandelt. „Erst, wenn sich die Menschheit von Neid, Gier und Arroganz befreit haben wird, wird die Frau wieder zum Menschen,“ erklärt uns eine Einwohnerin.

Ein ähnliches Schicksal erlitten drei Brüder, die auf den Befehl ihres Vaters, einem mächtigen Schamanen, ihre Schwester von ihrem Geliebten trennen mussten. Aus Liebe zu ihrer Schwester weigerten sie sich, dem Vater das Versteck des Paares zu verraten. Zur Strafe verwandelte er seine Söhne in drei Felsen. „Die drei Brüder-Felsen“ oder auch Sagan Khuschun Kap blicken seitdem nach Nordwesten über den Baikalsee.

Foto Credit: EastWest e.V.

Foto Credit: EastWest e.V.

Unsere Umgebung

Der Name Ol’chon hat zwei Bedeutungen: „Trockene Insel“ und. „kleiner Wald“. Neben der hügligen Steppenlandschaft ist die Insel zu einem Drittel zusammenhängend bewaldet. Die Bäume wachsen aufgrund des Steppenklimas der Insel nur langsam und erreichen bei weitem nicht die Dimensionen unser heimischen Wälder. Zum Vergleich: Selbst in Deutschlands trockensten Regionen fallen im Jahr noch etwa 400-450 ml Niederschlag. Auf der Insel Ol’chon sind es nur 160 ml. An Ackerbau ist bei diesen Bedingungen nicht zu denken. Die Insel bietet ein großartiges Panoramen, in dem sich freilaufende Pferde und Kühe weiden. Bei einer Gelegenheit konnten wir heute auch ein paar wunderbar zottelige Yaks bewundern.

Foto Credit: EastWest e.V.

Die heutige, überwiegend europäischstämmige Bevölkerung kam vor etwa dreihundert Jahren nach Sibirien und auf die Insel Ol’chon. Viele erst im zwanzigsten Jahrhundert, als die Sowjetunion Arbeiter für ihre, in den dreißiger Jahren errichtete Fischfabrik zwangsumsiedelte. Die Fischer der Insel, wie auch die inhaftierten Kleinkriminellen des als Fischereibetrieb ausgelegten Gulags im Ort Pezhan‘ka, lieferten ihren Fang dort auch nach dem Gulag und bis zum Fall der UdSSR ab. Im chaotischen Umbruch der 1990er Jahre zahlte die Fabrik unzuverlässig und viele Fischer umgingen die während der Sowjetzeit strikt durchgesetzten Fangquoten durch zusätzlich ausgebrachte Netze. Durch Schwarzfänge verschafften sie sich ein schnell verfügbares Nebeneinkommen. Heute ist die Fischfabrik geschlossen und an den ehemaligen Fischkuttern ertüchtigt sich der Rost und ein lokaler Straßenkünstler. Fischfang ist aufgrund der teuren Ausrüstung, der wieder vorhandenen Kontrollen, insbesondere aber aufgrund der schrumpfenden Fischbestände derzeit kaum noch lohnend und vom Tourismus als Haupteinnahmequelle der Inselbevölkerung abgelöst worden. Das wird von der einheimischen Bevölkerung zwiespältig gesehen. Zum einen sind sie auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen, zum anderen bringen die Touristen ihren Müll mit auf die Insel und begegnen der Natur auf eine respektlose Art. Die Frau eines burjatischen Lebensmittelverkäufers, der wir abends in Khuzhir begegnen, bringt die Sachlage auf den Punkt: „In 50 Jahren ist Ol’chon eine Müllhalde!“

Weshalb die Fischbestände schrumpfen ist noch unklar. Unser Fahrer Igor nennt den Klimawandel und die Überfischung als mögliche Ursachen. Anderen Angaben zufolge soll die Massenvermehrung von Algen in den flacheren Bereichen des Sees den natürlichen Lebensraum der Fische einschränken. Die Algen werden meist durch industrielle und ungeklärte Fäkalieneinleitungen, insbesondere in den stark touristisch frequentierten Bereichen des Sees, hervorgerufen. Um Überfischung als Ursache ausschließen zu können, ist für die kommenden drei Jahre ein Fangverbot in der Region geplant. In dieser Zeit soll der Grund für den zurückgehenden Fischbestand endgültig geklärt werden.

Foto Credit: EastWest e.V.

Tag 2: Die Weiten des Südens

Von Lea W. und Lea F.

Heute geht es mit dem Retrowagen „UAZ“ (Ulyanovsker Autozentrum), unserem Fahrer Igor und unserer Reiseführerin Dasha in den Süden der Insel Ol’chon. Was sofort auffällt: Im Gegensatz zum Norden der Insel, den wir am Vortag gesehen haben, bietet der Süden touristenfreie Sehenswürdigkeiten. Während des sechsstündigen Ausflugs begegnen uns weder Autos, noch Menschen. Uns umgaben nichts weiter als die Geräusche unserer knipsenden Kameras. Noch nicht einmal der Wind wagte es zu flüstern.

Foto Credit: EastWest e.V.

Inmitten einer Steppenlandschaft wächst eine einsame Birke. Vor etwa 50 Jahren soll an dieser Stelle ein Dorf existiert haben, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Wie die einzige Birke der Insel dort hingekommen ist, ist unklar. Aber ein Hingucker ist sie allemal.

Ein paar Meter weiter zeigt uns Dasha die „Weißen Kurikaner Wände“. Eine Reihe von aufgetürmten Steinen, die sich wie ein kleiner Wall über die Felsen ziehen. Archäologen vermuten eine Festung, die im 11. Jahrhundert an dieser Stelle existiert haben soll.

Foto Credit: EastWest e.V.

Nach einer anstrengenden Bergwanderung und einer längeren Autofahrt bringt uns Igor zum See Schara Nuri Dasha erzählt, ein Bad in diesem See habe eine verjüngende Wirkung. Das testeten wir natürlich sofort! Nach dem kurzen und vor allem kalten Ausflug gab es vom Fahrer eine selbstgemachte Fischsuppe, die auf offener Flamme zubereitet wurde. Im Gegensatz zu Deutschland wird in Russland bei offenem Feuer nicht auf Regeln gesetzt, sondern auf Menschenverstand. Jeder kann überall Feuer machen, ist aber verantwortlich dafür, dass sich dieses nicht weiter verbreitet.

Etwas ohne Elektrizität zu zubereiten ist hier oftmals Alltag, zumal die Insel vor noch 10 Jahren keinen Stromanschluss hatte. Im kalten Wind mit Blick auf den Baikalsee sitzend und unsere warme Suppe schlürfend, weiß man erst so richtig, was Freiheit bedeutet. Ein Gefühl, dass man in Deutschland gar nicht in dem Maße wahrnehmen kann.

Foto Credit: EastWest e.V.

Nach dem Löschen des Feuers ging es weiter zu einigen der ältesten Felsen der Welt, die ca. 3 Milliarden Jahre alt sind. Eine Besonderheit, die nicht nur auf diesen Felsen, sondern auch bei anderen auf dieser Insel zu sehen ist, sind grüne und rote Flechten. Sie dienen als Bioindikator für die Luftverschmutzung und wachsen nur dort, wo die Luft frei von Schadstoffen ist.

Foto Credit: EastWest e.V.

Auf Ol’chon treffen wir die Flechten in großer Anzahl an, was auf die ausgezeichnete Luftqualität zurückzuführen ist. Diese natürlichen Indikatoren sind, laut Dasha, weltweit selten anzutreffen. Denn außer der reinen Luft ist ein vielfältiges Klima für das Wachstum der Flechten vorausgesetzt.

Den Abschluss des Tages bildet der Besuch bei einem Schamanen. Dieser gibt uns durch Bilder, Zertifikate und typische Schamanen-Accessoires einen kleinen Einblick in seine mystische Welt.
Insgesamt war es ein spannender und facettenreicher zweiter Tag. Und obwohl die Landschaft wunderschön und auf den ersten Blick sehr sauber erscheint, fällt auf, dass auch in den touristenarmen Gebieten immer wieder Müll auf dem Boden herumliegt, den die Natur nicht von alleine zersetzen kann: Plastik, Glas, Zigarettenfilter.

Foto Credit: EastWest e.V.

Tag 3: Die Nachhaltigkeit der Ureinwohner

Von Lea S. und Mariella

Nachhaltigkeit besitzt bei den Burjatiern aufgrund ihrer Traditionen und ihrer Lebensweise einen besonderen Stellenwert. Milch- und Schafwolleprodukte werden selbst hergestellt. Bei der Begehung ihres Dorfes spazieren durch aus Holz und Fell gebauten Hütten namens „Yurta“. Ihre runde Form symbolisiert die Sonne – eine Metapher für ein warmes Zuhause. Von Schaffellen, über ausgestopfte Wildtiere bis hin zum Wohnzimmer lassen sich viele, teils altertümliche Gegenstände ihrer Kultur entdecken. Verschiedene Holzbehältnisse wurden zur Aufbewahrung von Sahne, Butter und Tarasun, einem alkoholhaltigen Getränk aus vergorener Milch, genutzt. Die Burjatier zeigen uns ihre Herbst- und Wintermützen (letzteres mit Schaffell verkleidet), demonstrieren ihr Schuhwerk aus Robben- und Schaffell und zeigen weitere Textilien, die sie mithilfe ihrer Nutztiere produzierten. Selbst die Hörner der Rinder finden bei den Burjatiern Verwendung: sei es nun als bloßer Wandschmuck oder als mit Milch befüllbare Trinkhörner. Statuen von Tieren, die für die Schamanisten eine wichtige Rolle spielen, säumen den Garten der Stammesältesten und ihrer Familie.

Foto Credit: EastWest e.V.

Foto Credit: EastWest e.V.

Im Anschluss lädt uns die Stammesälteste zu sich ein und bittet uns zu Tisch, wo wir hausgemachten Käse, Schmand und Hüttenkäse zusammen mit Brot, einer Tasse Tee und etwas Tarasun probieren konnten. Vor dem Schnaps müssen wir eine Art Begrüßungsritual durchführen. Einzelne Tropfen des alkoholischen Getränks werden in die Luft, auf den Tisch und auf den eigenen Brustkorb verspritzt. Während des Essens erzählt sie burjatische Rätsel. Hier ein Beispiel: „Nennt drei weiße Dinge!“ Die Antwort lautet: Salz, Milch und weißes Haar. Dies gibt Einblick in das Wertesystem und die Denkweise der Burjatier: Es ist zu erkennen, dass sie Respekt vor dem menschlichen Alter und Fruchtbarkeit und den Gaben der Natur haben.  In der Natur holen die Burjatier vor allem ihren Segen: Die bunten Bänder, an Pfählen angebracht, sieht man auf der ganzen Insel. Jedes Band symbolisiert einen Wunsch oder eine Bitte. Im Anschluss bekommen wir die Möglichkeit traditionelle Lieder, Tänze und Kämpfe der Burjatier anzuschauen. Die ganze Familie der Stammesältesten ist beteiligt, insbesondere die Kinder von 3 bis 15 Jahren. In diesen Familien ist es noch so, dass die Jüngeren für die Älteren die Verantwortung übernehmen. Alle tragen die traditionelle Tracht der Burjatier, die laut der Stammesältesten nur an Festtagen zum Einsatz kommt, „oder wenn Gäste wie ihr bei uns zu Besuch sind“, ergänzt sie. Die modernen Burjatier leben nicht mehr ganz nach der Lebensweise ihrer Vorfahren: „Vieles holen wir auch aus den Läden“, so die Stammesälteste.

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Tag 4: „Wer, wenn nicht wir?“

Von Anne und Jürgen

Unser Tag fing mit einem ganz speziellen Eindruck an – zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit an einer freiwilligen Müllsammelaktion „Subotnik“ (zu dt. am Samstag) hier auf der Insel mitzumachen. Während des Müllsammelns an touristischen Hotspots an der Küste haben wir genug Zeit, uns ausgiebig Gedanken über das Thema Müll am Baikalsee, dessen Auswirkungen und der Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu machen. Um den Blog-Eintrag abzurunden, möchten wir die Theorie klären:

Zu dem Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ gibt es verschiedene Definitionen. Eine der wohl gängigsten Ansätze ist der Brundtland-Report, der besagt, dass die nachhaltige Entwicklung eine sein soll, die die Bedürfnisse der Menschen in der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen nicht mehr die Chance haben, eben dies tun zu können. Eine weitere Theorie besagt, dass Nachhaltigkeit auf drei Säulen beruhen muss: Ökonomie,  Ökologie, Soziales. Diese stehen in gegenseitiger Wechselwirkung und beeinflussen einander. So haben wir uns auch am Baikalsee die Frage gestellt, inwiefern wir dieses Modell auf die verschiedenen Probleme vor Ort übertragen können. Dazu im Folgenden das ein oder andere Beispiel.

Industrie

Das voraussichtlich kommende Fischereiverbot würde sich unserer Meinung nach in jedem Fall positiv auf die Ökologie auswirken, da vorhandene Fischbestände die nötige Zeit hätten sich zu regenerieren. Allerdings könnte dies auch den Wegfall von regionalen Arbeitsplätzen bedeuten, was wiederum die ökonomische und soziale Seite beeinflusst. Genauso verhält es sich mit der am Baikalsee angesiedelten Industrie – ökonomisch gesehen ein wichtiger Faktor. Aus ökologischer Sicht ist die Abwasserentsorgung von Schadstoffen in den See bedenklich. Diese Faktoren sollten bei der Betrachtung ökologischer Entscheidungen berücksichtigt werden.

Foto Credit: EastWest e.V.

Müllproblem & mögliche Lösungen

Während des „Subotniks“, so wie die Müllsammelaktion an diesem Samstagmorgen genannt wird, trafen wir uns mit 25-30 weiteren Freiwilligen, die gemeinsam mit uns auf einigen Teilen der Insel Müll aufsammelten. Was uns positiv überrascht hat – einige von ihnen sind tatsächlich den weiten Weg aus Irkutsk (dies sind vier bis fünf teilweise sehr ruckelige Autostunden von der Insel Ol‘chon entfernt) angereist, um tatkräftig mitzuhelfen. „Wer, wenn nicht wir?“, war der Kommentar einer helfenden Mutter aus Irkutsk, die zusammen mit ihrer Tochter gekommen ist. Unsere mitgebrachten Sammelbeutel füllten sich mit der Zeit immer mehr. Hauptsächlich waren das Glasscherben, Zigarettenstummeln und weiterer Plastikmüll. Gerade die Filter der Zigarettenstummeln, die von vielen meist unbedacht auf dem Boden ausgetreten werden, haben verheerende Folgen für Mensch und Tier. Die Abbauzeit dieser beträgt 10 bis 15 Jahre, wobei die giftigen Filter teilweise von Tieren verschluckt oder von Vögeln zum Nestbau weiterverwendet werden – Schadstoffe wie Nikotin bleiben dabei in den Filtern erhalten.

Foto Credit: EastWest e.V.

Deshalb wäre es wichtig zu erfahren, wo der Müll genau herkommt. Viele Interviews mit Einheimischen machten uns deutlich, dass nicht nur die Bewohner oder traditionelle burjatische Schamanen für den Müll verantwortlich sind, sondern vor allem die steigenden Touristenzahlen, vorwiegend aus Fernost. Vor allem Campingurlaub ist nicht nur auf der Insel, sondern in der gesamten Baikalseeregion sehr beliebt. Grundlegend wichtige Toilettenanlagen oder Mülleimer fehlen dafür an vielen Stellen hingegen komplett – der hinterlassene Müll wird teilweise verweht oder bleibt gänzlich an Ort und Stelle liegen.

„Man könnte meinen, vielen Touristen fehle es an Kultur. Einige spucken auf den Boden und lassen all ihre Hinterlassenschaften liegen. Sie zeigen keinen Respekt für diesen heiligen Ort.“, erzählte uns Nadezhda, eine der 1.600 Ortsansässigen der Insel.

Doch was kann man dagegen tun? Während wir alte Autoreifen und Batterien entsorgten, stellten wir uns nach und nach die Frage, ob eine reine Müllsammelaktion nachhaltig genug sei, um das Problem wirklich an der Wurzel zu packen. Eine ausgeprägte Mülleimerlogistik bzw. mehr Toilettenanlagen wären zwar sinnvoll, aus ökonomischer Perspektive jedoch bisher viel zu teuer. Diese sind allerdings notwendig, um die Insel nachhaltig vor der Vermüllungsapokalypse zu schützen. Kontrollen könnten eine weitere Möglichkeit sein, um zur Gewährleistung der Sauberkeit beizutragen, denn im Moment bringt es das Städtchen Khuzhir nur auf gerade einmal einen (!!) Polizisten.

Es ist kein Geheimnis, dass Khuzhir sich in den kommenden Jahren mit steigendem Tourismus und damit verbundenen Müllbergen konfrontiert sieht. Eine Bewohnerin sieht den Ort sogar bereits „… in 50 Jahren unter Müll begraben.“ Dies hat zur Folge, dass man sich der wachsenden Verantwortung klar werden muss.

Ganz so radikal ist die Situation allerdings noch nicht. Besonders in Khuzhir konnten in den vergangen Jahren einige Fortschritte erzielt werden. Dazu gehören bsp. das Anlegen von Naturschutzgebieten, regelmäßig stattfindende Müllsammelaktionen sowie das Aufstellen von Mülltrennungscontainern.

Das alles sind Schritte in die richtige Richtung. Im Endeffekt muss es nicht ganz so drastisch kommen, wie es uns einige verängstigte Einwohner geschildert haben. Es ist in jedem Fall wichtig, ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Tourismus am Baikalsee zu schaffen, sei es mit strengeren Kontrollen oder mit einer gezielten Eingrenzung der Touristenzahlen. In jedem Fall hätten unserer Meinung nach alle Seiten ein Interesse daran – sowohl die ökologische, wie auch dauerhaft die ökonomische und soziale Seite.

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Dieser Beitrag wurde unterstützt von EastWest e.V.

Wandern in der Toskana: Küstenrundweg zur Cala Violina

Wandern in der Toskana: Küstenrundweg mit Panoramablicken

Die Sonne steht noch tief. Die Zypressen werfen lange, elegante Schatten auf die Straße. Ich bin auf dem Weg zur Cala Violina, einem der schönsten Strände in Italien, inmitten des Naturschutzgebiets Bandite di Scarlino. Nur mit dem Boot, dem Fahrrad oder zu Fuß kann man die „Geigenbucht“ erreichen. Der nächst gelegene Parkplatz liegt eine dreiviertel Stunde entfernt in Pian d’Alma. Ich fahre etwas nördlicher nach Puntone. Dort stelle ich den Wagen im Porto Scarlino unweit des Restaurants Il Cantuccio ab.

Gleich hinter dem Restaurant startet der, mit einer roten 1 markierte, Wanderweg hinter einem Eisentor. Ich spaziere durch einen dichten Pinienwald bis sich mir schon bald ein erstes Panorama auf die Insel Elba darbietet. Weiter geht es auf dem breiten Schotterweg zur ersten Badebucht. Breite Stufen führen hinab zur Cala Martina, mit ihrem groben Kiesstrand. Hier finde ich, neben einer Picknickmöglichkeit, ein Denkmal des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi.

Nach einer weiteren halben Stunde entlang der Küste, komme ich an der paradiesischen Cala Violina an. Die Bucht zählt noch als Geheimtipp und so haben sich hier vor allem Italiener im feinen Sandstrand niedergelassen.
Neben einem mobilen Kiosk sowie zahlreichen Bänken und Tischen, gibt es auch eine Toilette.

Ich folge weiter der roten Markierung Nummer 1entlang der Küste bis der Weg gen Landesinnere führt und die Markierung Nummer 8 in einen kleinen, zypressengesäumten Weg nach links führt. Nun beginnt der beschwerliche, wenig schattenreiche Weg, der nur mit guten Schuhwerk zu empfehlen ist. Eine Brandschneise führt mich auf eine Aussichtskuppe, die ein herrliches Panorama auf die Landschaft der Maremma und hinter mir noch einmal den Blick auf die Bucht der Cala Violina offenbart.
Ich folge dem Weg leicht rechts hinab, um wenig später zum Poggio di Carpineta aufzusteigen. In der Ferne sehe ich, wie die Brandschneise steil zum Poggio Sentinella hinaufführt. Aber keine Sorge, mein Weg führt mich am Fuß des Hügels nach links. Das schwierigste Stück habe ich also hinter mir.
Bei einer Picknickbank biege ich also links in Richtung Wegzeichen 2 ab und halte mich kurze Zeit später bei der Gabelung rechts Richtung Cala Martina.

Nach etwa 10 Minuten biege ich von dem breiten Schotterweg links in einen kleinen Trampelpfad ein. Vorbei an einem zerfallenem Steinhaus, das sich die Natur langsam aber sicher zurück erobert, treffe ich schließlich auf den Weg mit dem Denkmal und dem gestuften Abstieg zur Cala Martina. Ich biege nach rechts und gehe etwa 30 Minuten den bekannten Küstenweg zurück.

Um ein Uhr mittags komme ich wieder am eisernen Tor, dem Start der Wanderung, an. Genau zur rechten Zeit, denn das Il Cantuccio öffnet gerade für das Mittagsmenü seine Terrasse. Bei sagenhafter Aussicht auf die Bucht von Follonica genieße ich zur Belohnung gegrilltes Gemüse und zum Nachtisch köstliches Rosmarineis.

Der Rundweg im Überblick:

Dauer: 4 Stunden
Schwierigkeit: leichte Tour bis auf zwei sehr steile An- und Abstiege mit Geröll. Wer aus dem Wanderweg eine einfache Tour machen möchte, geht nur die Strecke an der Küste entlang bis zur Cala Violina (etwa eine Stunde) und kehrt nach einem Badestopp auf gleichem Weg wieder zurück.
Parken: Am Straßenrand vor dem Restaurant Il Cantuccio.
Einkehrmöglichkeit: Kiosk bei der Cala Violina (in den Sommermonaten) und das Fischrestaurant Il Cantuccio am Anfang bzw. Ende der Strecke. Die Öffnungszeiten sind recht überschaubar. Montags, Dienstags und Donnerstags hat das Restaurant nur zum Abendessen von 20 bis 22.30 Uhr geöffnet. Freitag, Samstag und Sonntag zusätzlich zur Mittagszeit von 13 bis 14.30 Uhr.

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Sweet September Tunes

Was wären die letzten Sommertage ohne gute Musik? Diese Songs haben mich in den letzten Wochen begleitet und vor allem während meiner Fahrt in die Toskana, habe ich sie rauf und runter gehört. Bei einigen der Bands kam ich sogar in den Genuss sie live zu sehen. Wie Strand Child mit feinstem Indie aus Berlin und Krautrock von His Clancyness aus Bologna und dann noch die fünf Brüder, die mit My Friend The Immigrant längst nicht nur ihre Heimatstadt Wiesbaden rocken. Also ihr Lieben, Ohren auf und noch ein wenig länger am Sommer festhalten.

 

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Ein Wochenende in Parma

Ein Wochenende in Parma

Wer an Parma denkt, der denkt im selben Moment wohl auch an Schinken. Irgendwie habe ich mir die mittelgroße Stadt in der Emilia Romagna in den vergangenen Jahren oft als gigantischen Schlachthof vorgestellt. Eine grenzenlose Ungerechtigkeit. Denn Parma hat, mit den hübschen Fußgängerzonen und seiner unvergleichlichen Kulinarik, viel Charme – und selbst in der Hochsaison kaum Touristen.

Auf der Suche nach einem Zwischenstopp mit Übernachtung auf dem Weg in die Toskana, kam irgendwann Parma ins Spiel. Und nach ein wenig Recherche war ich überzeugt, dass sich ein paar Tage in der oberitalienischen Großstadt mehr als lohnen würden.

Parma gehört zu jenen Städten, die sich herrlich zu Fuß erkunden lassen. Oder mit dem Fahrrad, mit dem auch viele Einheimische unterwegs sind und auf teilweise gut ausgebauten Fahrradwegen längere Entfernungen zurücklegen können. Eine Seltenheit in Italien.

Auf der Suche nach etwas Schatten – es sind fast 40 Grad – lande ich im Parco Ducale. Der herzogliche Park ist im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet und bietet eine ruhige Oase im Zentrum der Stadt. In der Bar Chiosco genehmige ich mir ein Stück Pizza und verweile ein paar Augenblicke, bevor ich ins Herz des centro storico spaziere.

Der Strada Cavour folgend, treffe ich schon bald auf den Piazza Garibaldi, mit einem großen Denkmal des berühmten Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi. Ich überquere die Strada della Repubblica mit ihren vielen Geschäften und gehe geradeaus in die Strada Luigi Carlo Farini. Hier pulsiert vor allem am Abend das Leben und die Parmaer nehmen in einer der vielen Bars gerne ihren Feierabend-Drink ein. Ich gehe weiter. Meinen aperetivo werde ich im Gran Caffee Cavour genießen.

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und das Abendlicht lockt mich in eine kleine Gasse. Nur wenige Meter weiter stehe ich vor der Trattoria Del Tribunale. Aus der Küche höre ich Geschirr klappern und verführerische Düfte strömen bis auf die Straße. Hier bleibe ich.
Auf der Terrasse genieße ich sagenhaft köstliche Kürbis-Ravioli, die sich hervorragend mit dem vino di casa vertragen. Zum Abschluss wird mir noch eine parmaische Spezialität serviert. Eine torta sbrisolona, knusprig gebackener Mandelkuchen mit einer Weinschaumcreme. Und mit dem ersten Bissen bin ich angekommen, im dolce vita.

 

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ein wochenende in parma

Rezept für Pasta Cacio e Pepe

Cacio e Pepe: Die einfachste Pasta der Welt

Meine erste Pasta Cacio e Pepe aß ich vor fünf Jahren in Rom. Genauer gesagt bei meinem Stammitaliener Ivo in Trastevere. Zunächst war ich ein wenig skeptisch. Pasta nur mit Käse und Pfeffer? Das wars? Ist das nicht ein bisschen, nun ja, … langweilig? Bestellt hab ich das Gericht dann doch. Zu oft hatte ich es auf den Speisekarten gelesen und war nun neugierig auf das traditionell römische Gericht. Und wer hätte es geahnt? Es war veramente delizioso!

Schwierigkeit: Leicht | Vorbereitung: 5 Minuten | Kochzeit: 15 Minuten

Zutaten für 4 Personen:

  • 400 Gramm Spaghetti
  • 250 Gramm Pecorino
  • Salz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

In einem Topf Wasser zum Kochen bringen. Währenddessen den Pecorino fein reiben. Sobald das Wasser kocht, Salz hinzugeben (hier könnt ihr ruhig sparsam sein, da der Pecorino schon sehr salzig schmeckt) und die Spaghetti al dente kochen. Beim Abgießen der Pasta etwas Nudelwasser abfangen.
Nun die Spaghetti zurück in den warmen Topf geben und sie darin mit dem Pecorino, dem Nudelwasser und schwarzen Pfeffer vermengen. Die Pasta auf Tellern anrichten und nochmals etwas Pfeffer darüber geben. Buon appetito!

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Cacio e Pepe -Die einfachste Pasta der Welt

Aussicht auf Montalcino

Geheimtipps: Übernachten und Essen in der Toskana

Ich hatte mal wieder das Vergnügen, mich durch die köstliche toskanische Küche zu kosten und will euch meine Toptipps nicht vorenthalten. Wo ihr euch anschließend angenehm betten könnt, erzähle ich euch außerdem in diesem Post.

Übernachten in Ferienwohnungen

Die größte Auswahl an Ferienwohnungen in Italien bietet Feries. Hier ist für jeden Geldbeutel etwas dabei, von der Luxusvilla bis zum niedlichen Chalet. In den Sucheinstellungen könnt ihr die Ergebnisse bequem nach Regionen oder Sonderwünschen, wie Pool oder Parkplatz filtern.

Foto Credit: feries.com

In der Nähe von Florenz, beispielsweise, liegt ein zauberhaftes Anwesen, das die Besucher nicht nur mit einer überragenden Aussicht begeistert. Der Agriturismo-Betrieb La Casavecchia besteht aus sieben Wohnungen mit Platz für jeweils bis zu sechs Gästen. Die Zimmer in dem restaurierten Bauernhof sind stilvoll mit vielen Naturelementen eingerichtet.
Morgens am Infinity-Pool das Frühstück genießen, anschließend die traumhafte Chianti-Region erwandern oder Florenz mit seinen vielfältigen kulturellen Möglichkeiten besuchen. Zum Abendessen geht es dann wieder zurück in die charmante Ferienwohnung, um in der Küche ein leichtes Gericht zu zaubern. Wichtigste Zutat: Olivenöl, das der Betrieb selbst produziert.

Camping in der Toskana

Mein allerliebster Campingplatz: Maremma Sans Souci. Sans Souci bedeutet ohne Sorgen und genau so fühle ich mich hier jedes Mal wenn ich Ankomme.
Der Platz wird besonders von Italienern besucht, die in den heißen Monaten aus Florenz, Rom oder Pisa ans Meer flüchten. In einem schönen Pinienwald gelegen, ist der Platz ein wunderbarer Ausgangspunkt, um die Umgebung zu erkunden oder auch mal einfach nur faul am Strand zu liegen. Neben Stellplätzen für Wohnwagen, Camper und Zelte, gibt es seit ein paar Jahren auch die Möglichkeit in Bungalows zu übernachten. Auch das seit neustem so beliebte Glamping ist hier angekommen. Der Platz bietet direkten Zugang zum Meer mit einer weitläufigen Bucht. Die Strände der Maremma-Küste gelten mitunter als die saubersten in Italien.
Das Restaurant auf dem Campingplatz ist sehr zu empfehlen. Die Pizza Vegetariana mit gegrillter Zucchini, Aubergine und Paprika ist Genuss pur. Davor verleiben wir uns erst einen aperitivo an der Bar gleich neben dem Restaurant ein.

Wining and Dining

Essen in Castiglione della Pescaia

Ja, es locken bereits in der Fußgängerzone des Fischerstädtchens zahlreiche Restaurants mit verführerischen Düften, dennoch lohnt es sich noch etwas auszuharren und unbeirrt den Weg Richtung Burg fortzusetzen. Denn dort wartet das bezaubernde Posto Pubblico Dei F.lli Cech. Eine passendere Lage, als die bezaubernde Via dell‘ Amore, hätte das romantische Restaurant mit seiner kleinen aber feinen Speisekarte nicht finden können. Reservierungen sind empfehlenswert.
Bei wem der Appetit doch zu groß ist und der Weg zur Burg zu weit, der kann bereits vorher rechts ins Ristorante Il Granaio abbiegen. Hier erwartet euch ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis und aufmerksames Personal. Bei gutem Wetter unbedingt ein Tisch im hinteren Teil des Gartens geben lassen.

Essen in Scarlino

In der Nähe des Yachthafens wird im Il Cantuccio frischer Fisch aufgetischt. Auf der Terrasse mit tollem Blick auf die Bucht von Follonica sitzt man vor allem mit Einheimischen und ein paar Mountenbikern oder Wanderern, die gerade die Küste erkunden. Die Öffnungszeiten sind recht überschaubar. Montags, Dienstags und Donnerstags hat das Fischrestaurant nur zum Abendessen von 20 bis 22.30 Uhr geöffnet. Freitag, Samstag und Sonntag zusätzlich zur Mittagszeit von 13 bis 14.30 Uhr.

Essen in Pienza

Etwas versteckt im charmanten Pienza liegt die Idyllium Bar. Bei einer sagenhaften Aussicht auf das Val d’Orcia und die typische Hügellandschaft der Toskana genießt ihr hier ein Glas Wein für 4 Euro. Dazu gibt es kleine Köstlichkeiten. Anschließend genehmigen wir uns ein (heute mal veganes) Eis in der Buon Gusto Gelateria.

Essen in San Quirico d’Orcia

In der Trattoria Toscana Al Vecchio Forno gibt es gehobene Küche in einladendem Ambiente. Im überdachten Garten könnt ihr euch typische toskanische Gerichte bei einem Glas Brunello schmecken lassen.

Ein paar Meter weiter liegt die Osteria San Quirico. Wer zu erst kommt, findet noch einen Platz an einem der drei Tische unter dem Torbogen. Die Gerichte werden teilweise in Bio-Qualität hergestellt. Nach handgerollten pici und anschließendem Pfirsich-Tiramisu, könnt ihr euch satt und zufrieden den Hügel hinunterrollen lassen.

Essen in Montalcino

Nach einem aperitivo in der liebevoll eingerichteten Bar Alle Logge di Piazza (Unbedingt auf dem Weg zur Toilette aus dem Fenster schauen. Die Aussicht ist der Wahnsinn.) habe ich gar keinen allzu großen Appetit mehr. Das liegt daran, dass es zu alkoholischen Drinks in fast jeder italienischen Bar Chips und kleine Häppchen gratis dazu gibt.
Ein Stück Pizza auf die Hand bei Il Gallo Stuzzicheria für unschlagbare 1,50 Euro ist im Anschluss genau richtig.

 

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Geheimtipps Übernachten und Essen in der Toskana

Rom

Römische Re­t­ro­s­pek­ti­ve

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück aus der Toskana. Der Koffer steht noch unausgepackt in der Ecke meines Zimmers, der süße Nachgeschmack des dolce vita ist noch gegenwärtig.
Neben dem Baden im Meer, Wanderungen entlang der Küste und Dörfer-Hopping bis nach Montepulcaino hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, zum sich Sehnen und zum Erinnern. Rom spukte mir oft durch den Kopf. Der ewigen Stadt so nah, habe ich es in den drei Wochen in Italien nicht ihr einen Besuch abzustatten. Nächstes Jahr wieder, mein geliebtes Roma, versprochen. Bis dahin bleibt uns die Erinnerung!

Vor fünf Jahren wagte ich mich in eines der größten Abenteuer meines bisherigen Lebens. Ich buchte einen Italienisch-Sprachkurs, mietete mir ein kleines Studio am Campo de‘ Fiori und verbrachte einen ganzen Sommer in Rom.
Mit Höhen und Tiefen hat mich wohl keine andere Zeit so geprägt wie diese drei intensiven Monate. Doch eines blieb unverändert: Meine Liebe zu dieser unvergleichlichen Stadt.

Wenn ihr Lust habt, nochmal zurückzublicken und mit mir in Erinnerungen zu schwelgen, gibt es hier ein paar Eindrücke aus meiner Zeit als Römerin.

Morgen geht’s los, in die ewige Stadt. Hin und wieder überkommt mich ein angenehmes Kribbeln in der Magengegend. Ein freudiger Vorbote, dass das Warten bald ein Ende hat. Dann werde ich drei Monate Zeit haben meine Lieblingsstadt intensiver zu erkunden.

Kiloweise gelato vertilgen, die Nächte in römischen Clubs durchtanzen, in Secondhand Shops stöbern, auf dem Piazza del Fico den älteren Römern beim Schachspielen unter Feigenbäumen zusehen, Fellini-Filme im Freilichtkino auf der Tiberinsel anschauen, Pizza backen lernen, das Innere des Kolosseums bei Nacht besichtigen, auf der spanischen Treppe vino rosso trinken und das bunte Treiben beobachten und im Schatten eines Orangenbaumes in einem der vielen Obstgärten Andrea Camilleri lesen.

Meine erste Woche in Rom verging wie im Flug.
Einen Spitznamen habe ich auch schon. Als ich ein Paar braune Schuhe in einem Geschäft anprobieren wollte, sagte ich „maccheroni“ anstatt „marrone“. Meine Freunde nennen mich nun “Makkaroni”.

In diesem Augenblick bin ich mit der Welt vollkommen im Reinen. Ich sitze in meiner neuen Wohnung und in der kleinen Küche kocht mein erstes in Rom selbst zubereitetes Essen vor sich hin, (davor habe ich mich größtenteils von Baguette mit Käse und Ketchup ernährt). Ich kann es noch gar nicht fassen: Seit gestern lebe ich in einem kleinen Apartment im Zentrum, in einer der schönsten Straßen Roms und bin nur wenige Gehminuten vom Campo dei Fiori entfernt. Die Wohnung ist zwar winzig aber dafür umso gemütlicher und vor dem Haus ist ein kleiner Trinkwasserbrunnen, so dass ich mir das Schleppen von Wasserflaschen sparen kann. Ich kann es kaum erwarten morgen aufzustehen und in dem Café um die Ecke zu frühstücken.

Ansonsten kehrt langsam Routine in mein Leben in Rom ein. Ich freunde mich Schritt für Schritt mit den Busfahrplänen an und eine Stammkneipe habe ich mittlerweile auch. Ich schaue dort so gut wie jeden Tag vorbei und werde immer von einem schlechten Gewissen geplagt, da ich das Café eigentlich nur wegen des gratis Wi-Fi nutze, aber meistens lediglich  ein kleines Bier oder einen Cappuccino bestelle. Bislang wurde ich dennoch, trotz meiner absolut unrentablen, oft mehrstündigen Anwesenheit, immer freundlich behandelt und das „Ciao bella!“ mit dem mich die Bedienung mittlerweile begrüßt werte ich als gutes Zeichen und bin optimistisch, dass ich auch in Zukunft meinen Cappuccino im Nick Nowego (nic nowego ist polnisch und bedeutet „nichts Neues“) trinken darf.

when in Rome, do as the Romans doHeute saß ich mal wieder in einem wunderschönen Park, der durch den Duft der Pinien und das Zirpen der Zikaden, toskanische Erinnerungen in mir weckte.
Nach kurzer Zeit setzte sich eine reizende ältere Italienerin zu mir, die über ihre „piedi vecchi“ schimpfte. Wir kamen ins Gespräch und einige Minuten später stieß ihr Mann dazu. Er hatte eine Flasche mit Kaffee dabei, von dem mir die Dame auch gleich anbot. Da ich nur eine volle Flasche Wasser bei mir trug, funktionierte ich meinen Flaschendeckel zu einer Tasse um. Nachdem wir ein paar „Deckel“ getrunken hatten, zeigte mir die Italienerin eine zauberhafte, kleine Kirche, die in einem Hinterhof versteckt war.

Was tun, wenn man um unmenschliche 6 Uhr in Rom erwacht und nicht mehr einschlafen kann? Auf zu den Plätzen, die sonst so überfüllt sind, dachte ich mir. Gesagt, getan.
Ich schlenderte durch die noch verschlafenen Straßen Roms. Die Cafés öffneten langsam ihre Türen und verströmten den Duft nach frisch geröstetem Kaffee und ofenwarmen Croissants. Ein paar Gemüsehändler richteten ihre Waren und auch die Souvenirverkäufer bereiteten sich auf den Tag vor, stellten Miniatur Kolosseums in Reih und Glied. Hier und da lagen leere Peroni-Flaschen. Die Spuren der vergangenen Nacht.

Schräg gegenüber meiner Wohnung, lebt ein entzückendes, italienisches Ehepaar. Er stellt nachmittags gern einen kleinen Tisch und zwei Stühle auf die Straße und spielt mit seinen Freunden Karten. Laut missmutiger Aussage seines Freundes gewinnt für gewöhnlich mein Nachbar. Seine Frau sitzt meist in der Nähe und unterhält sich lautstark, wild gestikulierend mit vorbeikommenden Bekannten. Ein wirklich charmantes Pärchen. Er hat mir auch schon häufig aus der Patsche geholfen. Sei es mir einen Dosenöffner zu borgen oder mir beim Öffnen meiner widerspenstigen Haustür behilflich zu sein.

Meine letzten Tage in Rom habe ich hauptsächlich mit dem Verspeisen italienischer Köstlichkeiten verbracht. Ein letztes cena in meinem Lieblingsrestaurant bei Ivo, gekrönt mit köstlichem Tiramisu. Ich genoss göttlich-schmeckende überbackene Aubergine in der Bar del Fico und schaute dabei den älteren Italienern beim Schachspielen unterm Feigenbaum zu. Beim letzten Frühstück in meinem Stammcafé habe ich noch schnell Adressen mit der sympathischen Kellnerin ausgetauscht und der Abend gehörte natürlich Trastevere. Ganz bewusst sog ich noch einmal die Düfte nach Pizza und Après Lotion ein, um die Erinnerung an die laue Sommernacht an einem kalten Herbsttag in Deutschland besonders intensiv ins Gedächtnis rufen zu können.

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Römische Retrospektive

Sonnenblumen in der Toskana

Italien nachhaltig erleben

Abstand zum Alltag gewinnen, die Sinne mit neuen Eindrücken verwöhnen. Kaum etwas hilft uns dabei unsere Reserven wieder aufzuladen, wie eine Reise. Noch wohltuender wird der Urlaub wohl, wenn wir die Tage oder Wochen mit grünem Gewissen verbringen können. Dabei geht es nicht darum, die Reise von vorne bis hinten umweltfreundlich zu planen. Schon kleine Bestandteile haben eine große Wirkung und schonen Klima und Umwelt.

Bei der Reiseplanung können Ökosiegel hilfreich sein und geben Orientierung. Europaweit gibt es mittlerweile mehr als 50 Umweltzertifikate für Hotels, Campingplätze, Ferienhäuser und Restaurants, aber auch für Strände und Urlaubsorte. Da fällt es gar nicht so leicht den Überblick zu behalten. Ökologische Tourismusbetriebe erkennt Ihr an der Kennzeichnung der Blauen Schwalbe. Umweltverträglichen Produkten und Dienstleistungen wird das EU Ecolabel als Gütesiegel vergeben.

Einen auf Nachhaltigkeit fokussierten Urlaub kann man in einer der beliebtesten europäischen Ferienregionen, Italien, verleben. Unterkünfte, die meist verbunden mit Ökotourismus sind, sind die gefragten Agriturismen. Hierbei handelt es sich um charmant umgebaute Bauernhöfe in kleineren Ortschaften, bei denen man Ursprünglichkeit und gutes Essen aus lokalen Erzeugnissen genießen kann. Aromatische Oliven, ein würziger Rotwein und selbst gebackenes Brot werden den Urlaubern hier von herzlichen Gastgebern gereicht, die ihre Produkte seit vielen Jahren selbst herstellen. Die Zutaten kommen in der Regel aus dem eigenen Garten.

Nachhaltiger Urlaub beginnt schon vor der Abreise

Umweltbewusst verreisen fängt noch vor der Abreise an. Geht nochmal in euch, bevor ihr euer zu Hause verlasst. Vergesst nicht die auf Standby geschalteten Geräte auszuschalten. Auch die Heizung sollte abgedreht sein. Der Kühlschrank und die Gefriertruhe müssen in der Regel angeschaltet bleiben. Oder wäre der mehrwöchige Urlaub eine gute Möglichkeit zum Abtauen? Dann vergesst nicht zur Sicherheit ausreichend Handtücher auszulegen.

Der größte Teil des CO2-Ausstoßes einer Urlaubsreise wird bei der An- und Abreise erzeugt. Wer mit dem Zug in den Urlaub reist, reduziert zudem nicht nur seinen CO2-Fußabdruck, er kommt in der Regel auch erholter an, als bei einer Fahrt mit dem Auto. Ganz ohne nervige Staus, einfach einsteigen, Platz nehmen und mitten in der Stadt ankommen. Florenz, beispielsweise, ist ab München schon in acht Stunden zu erreichen.

Abenteuer Zugfahren in Italien

Auch in Italien selbst ist es spannend, sich auf das Abenteuer der öffentlichen Verkehrsmittel einzulassen. Erfreulich für den Fahrgast sind die vergleichsweise günstigen Tarife. Noch dazu kommt man bei dieser Art des Reisens wunderbar in Kontakt mit Menschen.
Das Streckennetz innerhalb Italiens ist recht gut ausgebaut. Jedoch ist es nicht immer ganz einfach, kleinere Ortschaften mit der Bahn zu erreichen. Anschlussbusse verkehren selten. Hier empfiehlt es sich im Vorfeld zu informieren.
Wer sich vor Ort mit dem Fahrrad fortbewegen möchte, kann sein Rad in einem Eurocity nach Italien befördern. Dort wiederum kann man sein Fahrrad fast nur in Regionalzügen mitnehmen.

Renaissance des Urlaubs auf dem Land

Mailand, Rom, Florenz – wie wäre stattdessen ein Urlaub in den schönsten Dörfern Italiens? I Borghi più Belli d’Italia ist ein Zusammenschluss italienischer Dörfer, um das große Erbe der Geschichte, Kultur und Traditionen kleiner italienischer Städte und Dörfer abseits der großen Tourismuszentren zu fördern. Der Club versteht seine Aufgabe nicht allein in der Tourismusförderung, sondern auch in der Bewahrung und Restaurierung von historischen Gebäuden und Denkmälern, die oftmals in Gefahr sind, verloren zu gehen.

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italien nachhaltig erleben neu

Sarah Waltinger von Itchy Feet ein Reiseblog

Summer Vibes

Sonnenuntergänge am Fluss. Himbeereis. Mit den Füßen im Bach wippen. Kinderlachen im Freibad. Grillen. Polternde Gewitter am Nachmittag. Mitttsommerküsse. Laue Nächte, heiße Tage. Sommersprossen zählen. Bis in die späten Abendstunden draußen bleiben. Barfuß über die Wiese. Open-Air-Kino – schluchzen bei Into the wild, schmunzeln bei Lammbock. Die letzten, aber auch besten, Erdbeeren der Saison naschen. Yoga draußen. Samstagmorgendliches Marktfrühstück. Sich beim Fahrradfahren den Kopf frei pusten lassen. Oh, du wundervolle Sommerzeit.

Für mich heißt es nun – endlich wieder – Koffer packen. Denn am Samstag geht es Richtung Süden. Drei entspannte Wochen in der Toskana warten auf mich. Meine Zeit in Bella Italia könnt ihr aber natürlich auf Instagram mitverfolgen.

Macht euch einen fantastischen Sommer, ihr Lieben. – Und für all diejenigen unter euch, die noch auf der Suche nach einem besonderen Reiseziel für den Spätsommer sind: Das Otto-Magazin stellt euch 5 Reiseziele vor.